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Quimper: Bretonen bringen François Hollande in Not

Quimper : Bretonen bringen François Hollande in Not

In Westfrankreich brennen die Mautbrücken – eine Lkw-Steuer erregt die Bürger.

In Westfrankreich brennen die Mautbrücken — eine Lkw-Steuer erregt die Bürger.

Die heftigen Herbststürme in der Bretagne haben nachgelassen — nicht so die Proteste gegen Jobverlust, Steuerbelastung und wirtschaftlichen Niedergang. Nach mehreren Demonstrationen gehen nach und nach die Maut-Brücken in Flammen auf. Grund ist die geplante Öko-Maut für Lastwagen.

Eigentlich wollte die französische Linksregierung von 2014 an alle in- und ausländischen Lkw auf National- und Landstraßen mit einer Öko-Steuer belegen, um Anreize für umweltfreundliche Transportmittel zu geben. Nach heftigen Protesten, die von bretonischen Bauern und Unternehmern angeführt wurden, ruderte Paris zurück und versprach, die "Ecotaxe" auf Eis zu legen.

Den Protestlern ist dies nicht genug: Sie fordern deren endgültige Abschaffung. "Die Mautbrücken sind ein Symbol — wir werden bis zum Ende gehen", warnte Thierry Mérette vom Landwirtschaftsverband. Inzwischen schützt die Polizei die wenigen noch intakten Exemplare in der Bretagne. Jetzt wurde erstmals auch in Nordfrankreich eine Maut-Schranke in Brand gesetzt.

Neben Landwirten und Firmenchefs bringt der Aufruhr auch Handwerker und Angestellte, Links- und Rechtsextremisten sowie einfache Franzosen zusammen, die allesamt ein Gefühl vereint: die Angst vor der Zukunft und die Enttäuschung über die sozialistische Regierung von François Hollande. Die Bretagne durchläuft derzeit eine Krise ohne Beispiel: Rund ein Drittel der Bretonen sind in Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie beschäftigt — Sektoren, die von der Wirtschaftskrise und ausländischer Konkurrenz besonders betroffen sind. Dazu kommen die Hochsteuerpolitik der Regierung und die steigende Abgabenlast.

"Die Bretagne wird Hollandes Grab!" war in der Stadt Quimper auf Spruchbändern zu lesen. Zum Symbol sind die vom lokalen Unternehmen Armor-Lux hergestellten roten Strickmützen geworden — Zeichen des Unmuts und Erinnerung an den Aufstand der Bretonen gegen die Steuerpolitik Ludwigs XIV. im 17. Jahrhundert. Diese Revolte endete in einem Blutbad — jetzt hat die Regierung einen "Zukunftsplan für die Bretagne" in Aussicht gestellt.

(RP)