Kiel: Boetticher soll kurz nach der Affäre geheiratet haben

Kiel : Boetticher soll kurz nach der Affäre geheiratet haben

In der Affäre um den von allen Ämtern zurückgetretenen schleswig-holsteinischen CDU-Landes- und Fraktionschef Christian von Boetticher sind Ungereimtheiten in der Darstellung des Politikers aufgetaucht. Boetticher, der auch CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Mai 2012 war, hat eine intime Beziehung zu einer damals 16-Jährigen eingeräumt, die er über das Internet-Netzwerk Facebook kennengelernt hatte.

In seiner Rücktrittserklärung hatte der 40-Jährige davon gesprochen, bei seiner Beziehung zu dem aus einer Kleinstadt im Düsseldorfer Umland stammenden Mädchen habe es sich "schlichtweg um Liebe" gehandelt. Er habe zu dieser Zeit auch keine Beziehung zu einer anderen Frau unterhalten. Schleswig-holsteinische Zeitungen berichteten nun, von Boetticher habe am 15. Oktober 2010 in Las Vegas seine langjährige Lebensgefährtin Anna Christina Hinze geheiratet. Die Blätter beriefen sich dabei auf die Heiratsurkunde, das sogenannte Marriage Certificate (Nr. 20101015000751090). Ob diese Eheschließung auch nach deutschem Recht gültig ist, hängt davon ob, ob die Eheleute ihre Heirat auf einem deutschen Standesamt haben eintragen lassen.

Boetticher galt offiziell seit elf Jahren als mit Anna Christina Hinze liiert, die als Pressesprecherin und Referentin für die Hamburger CDU arbeitet. Bei einem gemeinsamen Auftritt im Sommer 2010 hatte er seine Hochzeit angedeutet, sein Privatleben aber ansonsten vor der Öffentlichkeit abgeschottet.

Die Beziehung mit der damals 16 Jahre alten Gymnasiastin aus dem Düsseldorfer Umland hatte von Boetticher nach seinen Angaben im Mai 2010 beendet. Zuvor hatte das Paar zwei gemeinsame Nächte im Düsseldorfer "Steigenberger Park Hotel" verbracht; die Jugendliche hatte den CDU-Politiker auch an seinem Heimatort Pinneberg besucht. Wie die Schülerin in Interviews mit Boulevard-Zeitungen der Dumont-Gruppe erklärte, hatte von Boetticher die Affäre mit ihr unter Hinweis auf ihr Alter beendet und erklärt, man solle warten, bis sie volljährig sei. Die junge Frau gab an, das akzeptiert zu haben. Sie habe "Christian nichts vorzuwerfen".

Inzwischen wird in Kieler CDU-Kreisen aber auch eine andere Version verbreitet, die von der "Welt" wiedergegeben wurde. Demnach unternahm die Jugendliche im Februar 2011 einen Versuch, wieder Kontakt zu von Boetticher aufzunehmen. Dieser habe abgelehnt, und die Jugendliche, die auch in der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) aktiv ist, habe daraufhin ihren Kummer einem ihr bekannten JU-Mitglied im schleswig-holsteinischen Plön anvertraut. Sie habe dem jungen Mann auch einige der nach ihren Angaben "Hunderte SMS und E-Mails" zur Verfügung gestellt, die sie mit von Boetticher ausgetauscht hatte.

Der Inhalt dieser Nachrichten machte die Runde in Unions-Kreisen in Kiel und erreichte schließlich auch Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), der seinen politischen Ziehsohn am 19. Juli zur Rede stellte. In diesem Gespräch habe von Boetticher die Affäre eingestanden, aber darauf verwiesen, dass sie juristisch nicht zu beanstanden sei, da die Minderjährige zum Zeitpunkt des intimen Treffens in Düsseldorf im März 2010 schon 16 Jahre alt gewesen sei.

Ähnlich argumentierte er auch in der von Teilnehmern gegenüber unserer Zeitung als "gespenstisch" beschriebenen Landesvorstandssitzung am Sonntag, in deren Folge er von allen Ämtern zurücktrat. Boetticher ist inzwischen abgetaucht, seinen Rücktritt als Fraktionschef teilte er den Abgeordneten zu deren Unmut nur schriftlich mit.

(RP)
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