"Bereitschaft zum Krieg manchmal einzige Chance auf Frieden" Blair verteidigt auf dem Labour-Parteitag seine Irak-Politik

Blackpool/London (rpo). Der britische Premierminister Tony Blair vor den Delegierten des Labour-Parteitages in Blackpool seine Irak-Politik verteidigt. Er versicherte seinen Parteifreunden, zunächst den Weg über die Vereinten Nationen zu gehen.

Falls Saddam das ihm gestellte "Ultimatum" aber nicht erfülle, gab Blair den Delegierten zu bedenken: "Im Umgang mit Diktatoren ist eine Bereitschaft zum Krieg manchmal die einzige Chance für den Frieden".

Blair warb eindringlich für die traditionelle Freundschaft mit den USA. "Es ist einfach, anti-amerikanisch zu sein", sagte er. Doch die Kritiker Amerikas sollten sich klarmachen, dass die USA und Großbritannien dieselben Werte hätten: Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. "Die Werte der USA sind auch unsere Werte," sagte Blair.

"Großbritannien ist nicht der 51. Staat der USA. Aber ich glaube an dieses Bündnis, und ich werde lange und hart dafür kämpfen, dass es erhalten bleibt", sagte Blair. Er erinnerte daran, dass die anglo- amerikanische Allianz im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazi-Diktatur geschmiedet wurde.

Politische Probleme partnerschaftlich lösen

In der heutigen Welt der gegenseitigen Abhängigkeit könnten politische Probleme nur in Partnerschaft gelöst werden, erklärte Blair. "Partnerschaft ist das Gegenteil von einseitigem Handeln," fügte er unter Anspielung auf die Irak-Krise hinzu.

Schon zuvor hatte Außenminister Jack Straw am Dienstag versichert, dass die USA und Großbritannien die Irak-Krise ohne einen Krieg beenden wollen. "Wir wollen das friedlich lösen, die Regierung der Vereinigten Staaten will es friedlich lösen, man wäre verrückt, wenn man es nicht wollte", sagte Straw in einem BBC-Interview.

Am Montag war der harte Kurs von Premierminister Tony Blair in der Irak-Frage beim Labour-Parteitag in Blackpool zum Teil scharf angegriffen worden. In einer Abstimmung am späten Montagabend hatten die Parteitagsdelegierten Blairs Irak-Politik unterstützt - allerdings nur mit einer Mehrheit von 60 Prozent. 40 Prozent der Delegierten votierten dafür, dass ein Krieg unter allen Umständen ausgeschlossen werden müsse.

Die Parteiführung hatte einen Antrag zurückziehen müssen, in dem die Delegierten Blair in der Irak-Politik völlig freie Hand lassen sollten. Stattdessen sprach sich der Parteitag dafür aus, dass ein Militärschlag "nur als letztes Mittel" und "im Rahmen des Völkerrechts" erwogen werden dürfte. Die Abstimmung ist für Blair nicht bindend.

Nach einer am Dienstag im "Guardian" veröffentlichten Umfrage sind 44 Prozent der britischen Bevölkerung gegen einen Irak-Krieg, 33 Prozent dafür, der Rest ist unentschieden.

(RPO Archiv)
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