Kanzler reist zu Unterredung mit britischem Premier: Blair soll zwischen Deutschland und den USA vermitteln

Kanzler reist zu Unterredung mit britischem Premier : Blair soll zwischen Deutschland und den USA vermitteln

London (rpo). Der britische Premierminister Tony Blair soll das angeknackste Verhältnis zwischen Deutschland und den USA reparieren helfen. Das berichte das britische Fernsehen am Dienstag. Nur zwei Tage nach der Bundestagswahl reiste Bundeskanzler Gerhard Schröder am Dienstag nach London, um mit Blair zu sprechen.

US-Präsident George W. Bush hat Blair mehrfach als den "treuesten Freund Amerikas" bezeichnet. Gleichzeitig unterhält Blair aber auch gute Kontakte zu Schröder und hatte diesem in der vergangenen Woche sogar Wahlkampfhilfe geleistet. Auch die Tatsache, dass die beiden Sozialdemokraten in der Irak-Frage unterschiedliche Positionen vertreten, soll das Verhältnis zwischen ihnen nicht belastet haben, verlautete in London.

Wie aus der Downing Street zu erfahren war, wollten Blair und Schröder auch die weitere Strategie zum Irak abstimmen. Blair wollte den deutschen Gast über das von ihm veröffentlichte Beweisdossier zu irakischen Massenvernichtungswaffen informieren. In der vergangenen Woche hatte Blair gesagt, er und Schröder lägen "in allen wesentlichen Fragen sehr nahe beieinander". Er habe mit dem Kanzler in allen Fragen, ob Kosovo, Mazedonien oder Afghanistan, immer vertrauensvoll zusammengearbeitet. Auch beim Irak habe er "keinen Zweifel daran, dass wir am Ende alle eng verbunden gemeinsam handeln werden".

Im Gegensatz zu Schröder hat sich Blair klar dafür ausgesprochen, notfalls mit militärischer Gewalt gegen den irakischen Präsidenten Saddam Hussein vorzugehen. Wie Bush drängt er auf eine neue UN- Resolution zum Irak und schließt auch einen Militärschlag ohne UN- Unterstützung nicht aus.

Der deutsche Botschafter in London, Thomas Matussek, bestritt am Dienstag in einem BBC-Interview, dass es auf eine Abkühlung des deutsch-französischen Verhältnisses hindeute, wenn Schröders erste Auslandsreise seit der Wahl nach London gehe. "Schröder hat klargemacht, dass der deutsch-französische Motor sehr wichtig für die Zukunft Europas ist", sagte der Botschafter.

(RPO Archiv)
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