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Düsseldorf: Bischöfe in Nordrhein-Westfalen erlauben die "Pille danach"

Düsseldorf : Bischöfe in Nordrhein-Westfalen erlauben die "Pille danach"

Nach Vergewaltigungen dürfen Frauen jetzt von katholischen Kliniken nicht mehr abgewiesen werden.

In Nordrhein-Westfalen dürfen jetzt auch alle katholischen Krankenhäuser vergewaltigten Frauen die "Pille danach" verordnen. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) erklärte gestern in Düsseldorf, sie habe diese Zusage von der katholischen Kirche erhalten. "Alle Bischöfe tragen eine entsprechende Erklärung des Erzbistums Köln mit, nach der das Angebot einer ,Pille danach' Teil der Behandlung von Frauen nach einer Vergewaltigung ist", sagte Steffens.

Der freie Zugang zu dem Mittel sei für Frauen nach einer Vergewaltigung auch für die psychische Stabilisierung enorm wichtig, betonte die Ministerin. Welches Präparat zur Verhinderung des Eisprungs angeboten werde, könnten die Ärzte an den katholischen Kliniken im Rahmen ihrer Therapiefreiheit entscheiden.

Nachdem in Köln eine vergewaltigte Frau von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden war, war eine bundesweite Diskussion um die Position der Kirche entbrannt. Nach einer Welle des Protests entschuldigten sich die Krankenhäuser bei dem 25-jährigen Opfer. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner vollzog eine Kehrtwende und nahm sein generelles Nein zur "Pille danach" zurück. Im Falle einer Vergewaltigung seien Präparate ethisch vertretbar, die eine Befruchtung verhindern. Gesundheitsministerin Steffens sagte, sie sei "erleichtert über die Klarstellung der katholischen Kirche". Sie hoffe sehr, dass die in der kommenden Woche tagende Deutsche Bischofskonferenz nun die Gelegenheit nutze, um sich nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens ebenfalls zu erklären.

Der Vize-Chef des Katholischen Büros in Düsseldorf, Burkhard Kämper, bestätigte die Zusage der Bischöfe. Pillen mit abtreibender Wirkung seien für die Kirche aber nicht akzeptabel, hieß es.

In der Düsseldorfer Landespolitik wurde die Entscheidung positiv aufgenommen. Regina van Dinther, frauenpolitische Sprecherin der CDU im Landtag, sprach von einem "guten Zeichen". Die katholische Kirche müsse Bewahrer der Zehn Gebote bleiben und dürfe dem Zeitgeist nicht nachlaufen. "Gleichzeitig muss sie aber die Herzen der Menschen erreichen, wenn sie glaubwürdig sein will", sagte die Politikerin. Der Schritt zeige, dass die katholische Kirche "reformfähig" sei.

Auch Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, zeigte sich erleichtert. "Die Akzeptanz der ,Pille danach' ist ein wichtiger und richtiger Schritt", sagte die Liberale. Die Klarstellung sei wegen der entstandenen Verunsicherung erforderlich gewesen. Sigrid Beer, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Landtag, erklärte, es sei gut, wenn die Ärzte an den katholischen Kliniken in NRW nun nicht mehr in Grauzonen handeln müssten. "Es ist bedauerlich, dass es erst eines derartigen Falles bedurft hat, dass sich die Katholische Kirche bewegt", sagte Beer.

(RP)