Birgit Steinborn wird bei Siemens Betriebsrats-Chefin

Persönlich: Birgit Steinborn . . . wird bei Siemens Betriebsrats-Chefin

Es ist kein leichtes Erbe, das Birgit Steinborn antritt: Die 53-Jährige rückt an die Spitze des Siemens-Gesamtbetriebsrats. Das 56-köpfige Gremium wählte sie gestern einstimmig zur neuen Vorsitzenden. Das Ergebnis dürfte auch deshalb so deutlich ausgefallen sein, weil die 108 000-köpfige Belegschaft des Dax-Konzerns die ewigen Skandale leid ist. Steinborns Vorgänger Lothar Adler, der eigentlich über die Altersgrenze von 65 Jahren hinaus an der Spitze der Arbeitnehmervertretung bleiben wollte, stolperte über die sogenannte Gehalts-Affäre: Angeblich auf Betreiben des damaligen Siemens-Chefs Peter Löscher hatte der Konzern Adler die Bezüge vor etwa fünf Jahren um über 100 000 Euro auf 300 000 Euro erhöht. Nach Bekanntwerden nahm der Druck auf Adler so stark zu, dass er den Stuhl für seine Stellvertreterin räumte.

Diese kennt den Konzern in- und auswendig. Seit 1990 ist die gelernte Industriekauffrau und Soziologin Betriebsrätin, zunächst am Standort Hamburg, wo sie sich bis 1996 zur Vorsitzenden hocharbeitete. 2008 wurde sie stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Steinborn erlebte auch die turbulenten Siemens-Jahre mit dem Korruptionsskandal und der anschließenden Neuausrichtung des Konzerns. Weil ein Umbau mit Stellenstreichungen auf den nächsten folgte, verbrachte die 53-Jährige viele Stunden am Verhandlungstisch.

Steinborn ist die erste Frau an der Spitze des Siemens-Gesamtbetriebsrats und wird für die Konzernführung um Vorstandschef Joe Kaeser damit zur wichtigsten Verhandlungspartnerin auf der Arbeitnehmerseite. Sie gilt in Arbeitnehmerkreisen als modern und pragmatisch. "Der Mensch kommt vor der Marge", hat sie sich zusammen mit Adler auf die Fahne geschrieben.

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Steinborn ist nicht die einzige Frau, die für die Arbeitnehmer eines Dax-Konzerns spricht: Auch beim Sportausrüster Adidas ist mit Sabine Bauer eine Frau Gesamtbetriebsratschefin.

(RP)
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