1. Politik

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen: Bin-Laden-Tonband: BND und Schily von Echtheit überzeugt

Ermittlungen noch nicht abgeschlossen : Bin-Laden-Tonband: BND und Schily von Echtheit überzeugt

Hamburg (rpo). Nach dem Bundesnachrichtendienst (BND) hat sich auch Bundesinnenminister Otto Schily davon überzeugt gezeigt, dass das jüngst Tonband mit der Stimme des Top-Terroristen Osama bin Laden echt ist.

Schily sagte in den ARD-Tagesthemen, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, alles spreche aber "eher dafür, dass es sich um ein echtes Tonband-Dokument handelt". Dies würde dann auch bedeuten, "dass die These, dass Bin Laden noch am Leben ist, an Wahrscheinlichkeit gewinnt", sagte der SPD-Politiker in der Sendung am Mittwochabend.

Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) glaubt an die Authentizität des Tonbandes. Die Aufzeichnung, die Terrordrohungen auch gegen Deutschland enthält, sei mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit echt und äußerst beunruhigend", sagte ein Geheimdienstler laut "Bild"-Zeitung. "Die Tatsache, dass der arabische Fernsehsender El Dschasira das Band ausgestrahlt hat, ist praktisch ein Zertifikat für die Echtheit. Bin Laden hat in der Vergangenheit allen Worten Taten folgen lassen", zitierte das Blatt den BND-Mann.

Schily machte in dem Tagesthemen-Interview keinen Hehl aus der Tatsache, dass auch Deutschland "Teil des allgemeinen Gefahrenraumes" sei. Deshalb müsse man wachsam sein. Weil schwer vorhergesagt werden könne, auf welches Ziel sich der nächste Angriff richte, sei es um so wichtiger, die Informationsgewinnung und -vermittlung sowie die Analysefähigkeit zu verbessern und "die Frage der Aktions- und Reaktionsfähigkeit noch stärker ins Visier zu nehmen".

Nach den Worten der Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Cornelie Sonntag-Wolgast, sind die jüngsten Terrorwarnungen kein Anlass zur Panik, wohl aber zu "Wachsamkeit, Aufmerksamkeit, Früherkennung". Dem Südwestrundfunk sagte die SPD-Politikerin, die Bedrohungslage habe sich in den zurückliegenden Wochen nicht verändert, doch gebe es Anzeichen für eine Wiedererstarkung terroristischer Gruppierungen, die zwar geschwächt, aber nicht zerschlagen worden seien. Sonntag-Wolgast rief die gemäßigten Muslime in Deutschland auf, sich nicht zu scheuen, "Verdächtiges, was geschehen könnte, weiterzugeben".

Unterdessen berichtete die Chemnitzer "Freie Presse" über eine Fahndung des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA) nach Personen aus islamischem Umfeld, "die Anschläge ausführen können". Nach dem Zeitungsbericht werden von den Ermittlern mehr als 200 Verdächtige einer so genannten Prüffallbearbeitung unterzogen. Ein Anhaltspunkt sei, dass die Verdächtigen Kontakt zu der Hamburger Terrorgruppe um den Todespiloten Mohamed Atta gehabt hätten. LKA-Mitarbeiter der Ermittlungsgruppe Finanzen seien darüber hinaus auf "verdächtige Geldbewegungen" gestoßen. Auch habe es Hinweise auf radioaktives Material gegeben, schreibt die "Freie Presse".

  • Eine Mitarbeiterin zeigt in der Zentrale
    BND bei Instagram : Die Schlapphüte weiten ihre Social-Media-Aktivitäten aus
  • Demonstranten verbrennen im irakischen Bagdad israelische
    Nach antisemitischen Protesten : Ex-BND-Chef fordert Ausweisung antisemitischer Migranten
  • BND und BKA sehen aktuelle Gefährdung durch El Kaida : Neue Terrorwarnung für Deutschland

Der Sprecher des sächsischen LKA, Lothar Hofner, bestätigte hierzu lediglich, dass im Rahmen der so genannten Rasterfahndung nach mutmaßlichen Terroristen in dem Bundesland mehr als 200 Personen aufgefallen seien. Dieser Kreis werde jetzt überprüft. Zu weiteren Einzelheiten des Zeitungsberichts wollte Hofner nicht Stellung nehmen.

(RPO Archiv)