1. Politik

Bildungsministerin Anja Karliczek lehnt Verzicht auf Sitzenbleiben ab

Regeln im Corona-Schuljahr : Karliczek lehnt Verzicht auf Sitzenbleiben ab

Die Bundesbildungsministerin weist entsprechende Forderungen der Gewerkschaft für Erziehung zurück. Lehrkräfte ruft die CDU-Politikerin dazu auf, Kinder, die zu Hause alleine lernen müssen, stärker zu unterstützen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat sich kritisch zu Forderungen nach einem Verzicht auf das Sitzenbleiben im Corona-Schuljahr geäußert. „Ein Schuljahr zu wiederholen, ist für die Betroffenen nicht schön. Dies passiert allerdings unabhängig von der Pandemie“, sagte Karliczek unserer Redaktion. Damit solle die Chance verbunden werden, wieder einen besseren Anschluss an den Lernstoff zu bekommen, also neue Chancen eröffnen. „Aber natürlich muss eine solche Entscheidung immer sehr sorgfältig und unter Würdigung vieler Aspekte getroffen werden. Ich halte aber nichts davon, diese Möglichkeit generell auszuschließen“, sagte Karliczek.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte sich dafür ausgesprochen, aufgrund der Corona-Umstände in diesem Schuljahr auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Man könne nicht mit der normalen Leistungsmessung herangehen und einfach sagen, wir lassen sitzen, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Aus ihrer Sicht sollten auch Abiturprüfungen in diesem Jahr ausgesetzt werden. Stattdessen könnten Lehrer ihre Schüler aufgrund der erbrachten Leistung bewerten und eine Note ohne Klausur vergeben.

Die neue KMK-Präsidentin Britta Ernst, die am Donnerstag offiziell ihr Amt übernahm, sagte der Zeitung „Welt“, Schülern in Deutschland trotz der Pandemie einen vollwertigen Abschluss ermöglichen zu wollen. „Wir werden uns innerhalb der KMK mit allen Bundesländern austauschen, wie wir unter Beibehaltung unserer gemeinsamen Standards das Abitur auch unter diesen Rahmenbedingungen gerecht durchführen können“, sagte Ernst. „Ein Notabitur hätte fatale Folgen.“ Bundesbildungsministerin Karliczek mahnte die Bedeutung der Abschlüsse an. „Die Pandemie darf keine Bildungsverlierer produzieren“, sagte sie. „Richtig ist, und dessen sind sich alle bewusst, dass wir in diesem Jahr besonders flexibel handeln müssen.“ Zugleich müsse die Vergleichbarkeit der Abschlüsse gewährleistet werden. „Das ist wichtig für die jungen Leute. Das ist genauso wichtig für die Hochschulen und die Betriebe“, so Karliczek.

Sie forderte zugleich von Lehrerinnen und Lehrern, sich verstärkt um Kinder zu kümmern, die derzeit keine Unterstützung beim Lernen zu Hause hätten. „Schülerinnen und Schüler brauchen Kontakt zu ihren Lehrerinnen und Lehrern; aufgrund der Situation werden Eltern in diesen Tagen oft zu Ersatz-Lehrern.“ Das sei der Not geschuldet und klappe mal mehr und mal weniger – ein Stresstest sei es allemal. „Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Eltern ganz unterschiedlich beim Lernen zu Hause helfen können“, sagte Karliczek. „Vor allem müssen wir aber an diejenigen Kinder denken, die tagsüber allein sind, weil die Eltern nicht von zu Hause ausarbeiten können. Ihre Eltern sind zum Beispiel Krankenpfleger, Kassierer oder Polizist. Um diese Kinder müssen sich die Lehrerinnen und Lehrer jetzt besonders kümmern“, so die Ministerin.  

(jd/dpa)