Belgiens Justiz prüft Vorgehen gegen Kirche

Belgiens Justiz prüft Vorgehen gegen Kirche

Die Razzia in der belgischen Kirche wird möglicherweise für rechtswidrig erklärt. Gilt die Durchsuchung als ungültig, zählt keines der beschlagnahmten Beweismittel vor Gericht. Bei einem Großeinsatz Ende Juni hatten die Behörden mehr als 500 vertrauliche Dossiers der Anti-Missbrauchs-Kommission beschlagnahmt. Außerdem wurden etliche Bischöfe stundenlang festgehalten und ihre Handys konfisziert. Sogar Bischofsgräber hatte die Polizei aufbohren lassen.

Im Vatikan war das Vorgehen der Behörden auf heftige Kritik gestoßen. Papst Benedikt XVI. und die Spitze der Belgischen Bischofskonferenz äußerten sich "verwundert" über das Vorgehen der Ermittler. Aus Protest gegen die Polizeidurchsuchung war die Kommission geschlossen zurückgetreten. Die den Opfern zugesicherte Vertraulichkeit sei von der Justiz gebrochen worden. Auch die Telefon-Hotline für hilfesuchende Opfer wurde eingestellt.

Die belgische Generalstaatsanwaltschaft habe das Verfahren an sich gezogen, berichtete der flämische Fernsehsender VRT gestern. Sollte sich herausstellen, dass bei den Durchsuchungen vom 24. Juni nicht alle Regeln eingehalten worden seien, könnten sie entweder für nichtig erklärt oder der bislang zuständige Untersuchungsrichter abgelöst werden.

Belgiens amtierender Justizminister Stefaan De Clerck hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview ungewöhnlich scharfe Kritik am Vorgehen der Justizbehörden gegen die Kirche geäußert. Die brutale Art und Weise habe jedes Handeln im Hintergrund zunichtegemacht, das für gegenseitiges Vertrauen und Vertraulichkeit nötig sei, bemängelte De Clerck in der Zeitung "Le Soir".

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft erklärte, es gebe Hinweise darauf, dass der Justiz Beweismaterial unterschlagen worden sei. Die Generalstaatsanwaltschaft intervenierte, als die Brüsseler Staatsanwaltschaft den ehemaligen Erzbischof, Kardinal Godfried Danneels, zum Verhör einbestellen wollte. Er habe darüber befragt werden sollen, was er über Missbrauchsvorwürfe wisse. In der vergangenen Woche hatten Mitglieder der im Jahr 2000 von der Kirche eingesetzten Missbrauchskommission dem Kardinal vorgeworfen, ihren Informationen nicht ausreichend nachgegangen zu sein.

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