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Beck macht in Mainz Weg frei für Malu Dreyer

Beck macht in Mainz Weg frei für Malu Dreyer

Mainz Wie NRW, Saarland und Thüringen wird auch Rheinland-Pfalz demnächst von einer Frau regiert werden: Die Neue heißt Marie Luise Dreyer (51), in Mainz nennen sie alle kurz Malu. Für die Anhebung der Frauenquote in der deutschen Spitzenpolitik sorgt der seit 18 Jahren in Mainz amtierende, manche behaupteten: Hof haltende Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Was der rheinland-pfälzischen Politik zusätzlich Würze verleiht, ist, dass bei der nächsten Landtagswahl an Rhein, Mosel und Nahe 2016 zwei Frauen gegeneinander antreten: Die Sozialdemokratin Malu Dreyer und die Christdemokratin Julia Klöckner.

Dass der 63 Jahre alte, zermürbt wirkende Kurt Beck gestern endgültig den Weg frei gemacht hat, lag auch daran, dass die angriffslustige, 39 Jahre junge Oppositionschefin Klöckner ihn, den Oldie und politisch Hauptverantwortlichen für die 300-Millionen-Euro-Pleite am Nürburgring, in die Defensive gedrängt hat. Es gibt bereits eine Umfrage, wonach Klöckner bei der Popularität an Beck vorbeigezogen war – für den Landesvater, der stets "nah bei de Leut" sein wollte, Anlass zu sagen: Time to say Goodbye.

Vor einem Monat hatte Beck im Mainzer Landtag einen Misstrauensantrag der CDU überstanden, weil ihn seine SPD-Grünen-Koalition gegen die anstürmende Klöckner schützen und stützen wollte. Aber allen war klar, dass Becks Blamage mit dem überdimensionierten Freizeitpark am Nürburgring der letzte und für den Steuerzahler kostspielige Anlass war, seinen Rückzug zu verkünden. Beck macht nicht nur Schluss als Regierungschef, sondern auch als SPD-Landesvorsitzender in Mainz. Am 10. November wird die Partei wohl Landesinnen- und Infrastrukturminister Roger Lewentz an die SPD-Spitze wählen.

Beck war nicht nur seit 1993 Landes-SPD-Vorsitzender und seit 1994 Ministerpräsident, sondern auch von 2006 bis 2008 SPD-Bundesvorsitzender. Die Rolle in Berlin, wo er sich oft fremd und verspottet vorkam, füllte er nie richtig aus. Die Landespolitik Rheinland-Pfalz hingegen – das war die überschaubare Welt des Südpfälzers, eines gelernten Elektrotechnikers, der auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife absolvierte. Auch für Beck, einen schlauen Fuchs der Politik, galt der Satz: Wer ihn als Landeschef unterschätzte, hatte schon verloren. Bei Landtagswahlen besiegte der verheiratete Vater eines Sohnes (der ist Rechtsanwalt) reihenweise CDU-Herausforderer. Erst Julia Klöckner kam Beck und dessen SPD bei der Wahl 2011 ganz nahe. In Becks langen Regierungsjahren erstarkte Rheinland-Pfalz wirtschaftlich. Unternehmen siedelten sich an, die Arbeitslosigkeit ging zurück, der Mittelstand lobte den Landesvater. Die Verschuldung des Landes jedoch explodierte.

Becks Nachfolgerin, Sozialministerin Malu Dreyer, die einmal Staatsanwältin sowie in Julia Klöckners Geburtsort Bad Kreuznach Bürgermeisterin war, gilt als klug und zugleich herzlich. Es heißt, Dreyer sei eine Menschenfischerin. 2006 machte die mit dem OB von Trier verheiratete Frau und dreifache Stiefmutter öffentlich, dass sie an einer schleichenden Form der Multiplen Sklerose (MS) erkrankt sei. Sie fühlt sich nach eigenen Worten wohl, allein längeres Gehen macht ihr Mühe. Bei gelegentlichen Krankheitsschüben nutzt sie einen Rollstuhl.

(RP)