Barack Obama: Der schlecht beschützte Präsident

Washington : Der schlecht beschützte Präsident

Neue Panne beim Secret Service: Ein Mann mit Waffe fuhr in Obamas Aufzug mit.

Die Chefin der Leibwache von US-Präsident Barack Obama ist nach einer Pannenserie zurückgetreten. Julia Pierson, Chefin des Secret Service, habe den Rücktritt angeboten und das Ministerium für Heimatschutz habe den Schritt akzeptiert, teilte die Behörde gestern Abend mit.

Erst vor wenigen Tagen war ein mit einem Messer bewaffneter Mann ins Weiße Haus eingedrungen. Omar Gonzalez, ein Irak-Veteran, wurde erst im kronleuchterbeladenen East Room, weit im Inneren des Gebäudes, überwältigt. Das Alarmsystem neben der Eingangstür war auf lautlos gestellt worden, nachdem sich Bedienstete über das störende Piepsen beschwert hatten.

Die jüngst bekannt gewordene Panne: Als Obama Mitte September die Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta besuchte, um mit den Ärzten dort über den Kampf gegen Ebola zu beraten, fand er sich im Fahrstuhl neben einem Mann wieder, den weder er noch seine Leibwächter kannten.

Ihre Nachlässigkeit begriff die Entourage erst, als der Fremde sein Smartphone zückte und munter zu fotografieren begann. Beschäftigt bei einer privaten Sicherheitsfirma, trug er eine Waffe. Aber auch das hatten die Beamten zunächst nicht bemerkt. Später stellte sich heraus, dass er dreifach vorbestraft war, unter anderem wegen Körperverletzung. Und: Statt dem Staatschef sofort reinen Wein einzuschenken, schien der Secret Service den Zwischenfall unter die Decke kehren zu wollen. Jedenfalls sehen sie es so im Kongress, wo alarmierte Abgeordnete genauer unter die Lupe nehmen, was sich die Bodyguards in letzter Zeit alles geleistet haben an blamablen Fehlleistungen.

Sie verstehen sich als die Besten der Besten, die muskelbepackten Herren mit dem Knopf im Ohr, die den amerikanischen Präsidenten in seiner Machtblase bewachen. Seit 1865 gibt es den Secret Service, ursprünglich gegründet, um Geldfälschern auf die Schliche zu kommen. Erst 1901, nach dem Mord am Präsidenten William McKinley, wurde der Schutz des Staatsoberhaupts zu seiner Aufgabe.

"Dies wäre heute ein anderes Land, hätte der Bursche im Aufzug seine Pistole gezogen", poltert Jason Chaffetz, ein Republikaner aus Utah, dessen Ausschuss den Elitetrupp parlamentarisch kontrolliert. Warum Julia Pierson nicht einfach Bewegungsmelder im Weißen Haus installieren lasse, fragte Chaffetz' Kollege John Mica zynisch. Das käme billiger als die Leibgarde, und effektiver wäre es auch.

Nun steht seit ein paar Tagen ein zweiter Zaun an der Pennsylvania Avenue 1600, genauer gesagt: eine Kette niedriger Zäune, die an Fahrradständer denken lassen. Noch eine Barriere, noch mehr Distanz zum "Haus des Volkes", zu dem die Washingtoner Folklore die Machtzentrale gerne verklärt. Das alles, so monieren die Kritiker, wäre überflüssig, würden die Herren mit dem Knopf im Ohr nicht so oft schludern. Vielleicht ändert sich das unter einem neuen Chef. Der stand indes gestern noch nicht fest.

(RP)
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