Banken helfen Griechenland mit Milliarden

Banken helfen Griechenland mit Milliarden

Brüssel (anh/ing/mar) Durchbruch beim Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten: Private Gläubiger Griechenlands wie Banken, Versicherungen und Fonds sollen freiwillig auf etwa 20 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Dadurch könnten auf sie bis 2014 Verluste von etwa 37 Milliarden Euro zukommen, hieß es zum Abschluss des Gipfels. Zudem stellen die EU-Staaten und der Internationale Währungsfonds Athen 109 Milliarden Euro an Kreditgarantien zur Verfügung. Vor einem Jahr hatte das Land schon einmal 110 Milliarden Euro Hilfe dieser Art erhalten.

Mit dem teilweisen Schuldenerlass durch die privaten Gläubiger wagen die Staaten den Sprung ins kalte Wasser: Sie nehmen hin, dass Griechenland im Zuge der Umschuldung, die im September über die Bühne gehen soll, vorübergehend für zahlungsunfähig erklärt wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte sich dagegen vehement gewehrt, weil sie in diesem Fall den griechischen Banken kein Geld mehr geben darf und das Finanzsystem zu kollabieren droht. Damit das nicht passiert, sollen die Euro-Länder der EZB nun Milliarden an Garantien geben.

Kanzlerin Angela Merkel hat sich damit gegen die EZB und die südeuropäischen Länder durchgesetzt. Union und FDP im Bundestag hatten die Gläubigerbeteiligung zur Bedingung für die deutsche Zustimmung für neue Hilfen gemacht. Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten die Einigung über das Hilfspaket in der Nacht zum Donnerstag in einem siebenstündigen Gespräch erzielt. Die Finanzmärkte reagierten weltweit erleichtert. Der Euro kletterte um drei Cent auf 1,44 Dollar. Die Zinsen für griechische Staatsanleihen sanken kräftig – und zwar um fünf Prozentpunkte auf 16,5 Prozent.

Der Euro-Rettungsfonds EFSF soll überdies Anleihen Griechenlands am freien Markt aufkaufen dürfen, wie Sarkozy am Abend sagte. Damit stehen nun doch andere Länder für die Schulden der Griechen ein. Diese neuen Spielregeln müssen die Staaten erst noch billigen. Der Bundestag lehnt sie bisher ab. Die Kanzlerin wird die Fraktionen von Union und FDP davon noch überzeugen müssen.

Die Laufzeiten der Hilfskredite für Griechenland werden außerdem von derzeit 7,5 auf 15 Jahre verlängert. Die Zinsen sinken von 4,5 auf 3,5 Prozent. Allein dadurch spart Athen in den nächsten zehn Jahren 30 Milliarden Euro.

Die Wirtschaftsweisen reagierten verhalten. "Eine weitergehende Entschuldung um 50 Prozent wäre für Griechenland sicher besser gewesen", sagte der Chef des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, unserer Zeitung. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lobte die Senkung der Zinsen. "Das ist eine große Entlastung für das Land."

(RP)
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