Presse blendet Frist völlig aus: Bagdad trotzt amerikanischem Ultimatum

Presse blendet Frist völlig aus : Bagdad trotzt amerikanischem Ultimatum

Bagdad/Kairo (rpo). Amerikanisches Ultimatum? Präsident Saddam Hussein und seine Getreuen ignorieren dies - und rüsten für den Straßenkampf.

Während die irakischen Sicherheitskräfte schon in Bagdad Gräben ausheben und Sandsackwälle für den Straßenkampf errichten, üben sich Präsident Saddam Hussein und seine Getreuen in diesen Tagen in der üblichen "Blut und Ehre"-Rhetorik. Das von den USA, Großbritannien und Spanien angekündigte Ultimatum, das den Mitgliedern des Weltsicherheitsrates in den nächsten Tagen als Teil einer neuen Resolution zur Abstimmung vorgelegt werden soll, ignorieren sie dagegen völlig. Auch die irakische Presse erwähnt die Frist bis zum 17. März am Sonntag mit keiner Silbe.

Stattdessen betont die irakische Führung jeden positiven Aspekt aus den Berichten der Chef-Waffeninspekteure Hans Blix und Mohammed el Baradei. Die von den beiden vorgetragenen bisherigen Ergebnisse der Inspektionen seien der "Beweis, dass die USA und Großbritannien gelogen haben", im Bezug auf angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak, triumphierte Bagdad.

So als ginge es jetzt nicht vorrangig darum, die rund um das Land stationierten 280 000 amerikanischen und britischen Soldaten am Einmarsch zu hindern, wird bei einer von Saddam Hussein geleiteten Sitzung der Führung von Partei und Staat an diesem Wochenende die Forderung nach der Aufhebung der vor zwölf Jahren gegen den Irak verhängten Sanktionen erhoben. Die Anwesenden loben außerdem "die Vertreter der friedliebenden Nationen, Bewegungen und Völker, die ihre Stimmen erheben gegen die Ungerechtigkeit und Tyrannei der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und derjenigen, die angelockt werden, sie zu unterstützen".

Mit anderen Worten: Während die Einwohner von Bagdad Wasser- und Lebensmittelvorräte anlegen, sieht es so aus, als hoffe die irakische Führung, dass Frankreich oder Russland die Resolution und damit die Kriegspläne Washingtons doch noch zu Fall bringen. Doch glaubt Saddam Hussein wirklich, dass US-Präsident George W. Bush seine Soldaten unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren lässt, weil er im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen keine Mehrheit bekommt oder mit einem Veto konfrontiert wird?

Westliche Beobachter in der Region glauben nicht, dass Saddam Hussein ernsthaft denkt, die deutsch-französisch-russische Anti- Kriegs-Front könne einen Krieg verhindern, vor allem da die US- Regierung bereits angekündigt hat, sie wolle ihre Irak-Pläne notfalls auch ohne Billigung der Vereinten Nationen verwirklichen. Allerdings könnte er darauf setzen, dass eine große Zahl ziviler Opfer und die Bilder getöteter US-Soldaten ein rasches Kriegsende herbeiführen könnten, bevor es ihm selbst an den Kragen geht.

Die libanesische Tageszeitung "Daily Star" warnt die irakische Führung in ihrer Ausgabe vom Sonntag dringend davor, sich derartigen Gedankenspielen hinzugeben. "Diejenigen im Irak und anderswo, die glauben, dass die irakische Führung und das Regime den bevorstehenden britisch-amerikanischen Angriff überleben werden, geben sich entweder romantischem Selbstbetrug hin oder sie sind dickköpfig bis zur Selbstzerstörung", schreibt die Zeitung.

Auch wer auf die russisch-französisch-deutsche Karte setze, sei naiv. Denn die transatlantische Auseinandersetzung sei nicht mehr als ein "Familienstreit", der bald wieder vergessen sein werde. Der Rat an Saddam Hussein laute deshalb: "Nur eine mutige, vernünftige, historische und opferbereite Entscheidung des Iraks für die von den Vereinten Nationen verlangte vollständige Offenlegung (der irakischen Rüstungsprogramme) kann den Vormarsch der Kriegsmaschinerie jetzt noch stoppen."

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