Washington: Bachmann will ins Weiße Haus

Washington : Bachmann will ins Weiße Haus

Alle Augen waren zunächst auf Michele Bachmann gerichtet, als die US-Republikaner im Saint-Anselm-College in New Hampshire mit einer großen TV-Debatte die Auswahl des Herausforderers von Präsident Barack Obama starteten. Die 54-Jährige hat sechs Mitbewerber, kann sich im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aber durchaus Außenseiter-Chancen ausrechnen.

Das liegt auch an ihrer Ähnlichkeit mit der immer noch populären Sarah Palin, die nicht nur äußerlich ist: Beide verkörpern erzkonservative Werte, sind sehr religiös und haben fünf Kinder. Bachmann gilt indes als moderater, weshalb ihr zugetraut wird, breitere Wählerschichten anzusprechen. Der Einordnung als "Palin-Light" wurde sie auch bei der TV-Debatte gerecht.

Favorit bleibt jedoch der Millionär Mitt Romney: Als gewiefter Organisator sprang er ein, um 2002 die Olympischen Winterspiele von Salt Lake City zu retten. Ruhige Kompetenz und ein ausgeprägtes Verständnis für Zahlen gelten als seine Stärken. Angesichts der Wirtschaftsmalaise hätte ein Machertyp wie er eine Chance, könnte 2012 gegen Barack Obama antreten. Nur muss er zuvor die Auslese in seiner eigenen, unter dem Einfluss der Tea-Party-Rebellen nach rechts gedrifteten Partei überstehen.

Romney ist allerdings klar die Nummer eins: Tim Pawlenty, dem Ex-Gouverneur von Minnesota, fehlt momentan der Biss, um dem Routinier in offener Schlacht Paroli zu bieten. Der frühere Parlamentssprecher Newt Gingrich, dem Namen nach der Prominenteste, hat seine beste Zeit hinter sich. Mitte der 90er Jahre war er noch der zentrale konservative Gegenspieler Bill Clintons. Heute muss er Häme ertragen, weil ihn sein komplettes Beraterteam im Stich ließ, nachdem er mit seiner dritten Ehefrau Callista durch die Ägäis geschippert war, statt in Iowa Bauernhände zu schütteln.

Ron Paul, ein Libertärer, der Finanzämter für Unfug hält, bleibt ein Außenseiter in einer Nische. Die anderen – der Ex-Senator Rick Santorum und der afroamerikanische Unternehmer Herman Cain, einst Chef der Pizzakette Godfather's – spielen nur eine Statistenrolle.

Sieben gegen Obama – so lässt sich der Debattentenor der Premiere am ehesten beschreiben. Unisono zeichneten die Bewerber das Porträt eines Präsidenten, unter dessen Ägide kaum neue Arbeitsplätze entstehen, während der Schuldenberg bedrohlich wächst.

Drei potentielle Favoriten zögern unterdessen noch mit ihrer Bewerbung: die glamouröse Sarah Palin, Jon Huntsman, bis vor kurzem Botschafter in China, und Chris Christie, der schwergewichtige, schlagfertige Gouverneur von New Jersey.

(RP)
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