Vor Spanien und Italien Zwei Schiffe mit Migranten blockiert - Schwangere in den Wehen

Rom · Mehrere Schiffe mit geretteten Migranten an Bord warten bisher vergebens auf dem Mittelmeer auf einen sicheren Hafen. Einige Menschen brauchen schnell Hilfe. Und in Frankreich steht ein weiteres Schiff zum Ablegen bereit.

 Eine Rettungsaktion des Schiffs „Alan Kurdi“ im Mittelmeer.

Eine Rettungsaktion des Schiffs „Alan Kurdi“ im Mittelmeer.

Foto: AFP/PAVEL VITKO

Gleich zwei blockierte Rettungsschiffe mit insgesamt mehr als 160 Migranten an Bord erhöhen den Druck auf Malta und Italien, die Menschen anlegen zu lassen. Die spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms ist mit 123 Migranten auf dem Mittelmeer unterwegs - eine Frau sei im neunten Monat schwanger und habe Wehen, twitterte NGO-Chef Oscar Camps. Die „Alan Kurdi“ der deutschen Organisation Sea-Eye wartete am Freitag noch immer mit 40 Migranten vor der italienische Insel Lampedusa und durfte nicht anlegen. Und in Frankreich ist die „Ocean Viking“ von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen bereit zur Abfahrt ins Suchgebiet vor Libyen.

Doch Italien zeigte sich wie immer hart. Die „Alan Kurdi“ hatte die Menschen Mitte der Woche gerettet und Kurs auf Italien genommen. Die Einsatzleitstelle der italienischen Küstenwache hätte Sea-Eye nun mitgeteilt, dass die maltesischen Behörden zuständig seien, „obwohl das Schiff genau vor Lampedusa liegt“, twitterte die Regensburger Organisation. „Malta ist mehr als 20 Stunden entfernt. Ein unerträglicher Streit wird auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen.“

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini hat dem Schiff die Einfahrt bereits verboten und gedroht, es zu beschlagnahmen, sollte es in Italien anlanden.

Auch die spanische Hilfsorganisation Proactiva sucht nach einem sicheren Hafen. Das Rettungsschiff „Open Arms“ habe in der Nacht zum Freitag weitere 68 Migranten vor der libyschen Küste gerettet. Das Schiff habe nun 123 Menschen an Bord, nachdem am Donnerstag bereits 55 größtenteils aus Eritrea stammende Menschen von einem Leck geschlagenen Boot gerettet worden waren, teilte Camps mit. An Bord sind neben Schwangeren auch neun Monate alte Zwillinge. Die in der Nacht an Bord genommenen Migranten wiesen deutliche Zeichen von in Libyen erlittener Gewalt auf, so Camps.

Italien hatte auch diesem Schiff schon mitgeteilt, das es nicht anlegen dürfe. Kapitän Marc Reig sagte dem spanischen Fernsehen an Bord, er habe sich an alle zuständigen Behörden in Libyen, Malta und Italien gewandt - ohne jedoch eine Antwort zu erhalten. Das Schiff fährt unter spanischer Flagge.

Bald könnte ein drittes Schiff dazu kommen: Die „Ocean Viking“ will von Marseille losfahren und bräuchte dann etwa zwei Tage ins Rettungsgebiet. Das Schiff kann rund 200 Menschen aufnehmen.

Italiens populistische Regierung weigert sich seit Amtsantritt vor mehr als einem Jahr, NGO-Schiffe anlegen zu lassen. Rom will nicht nur, dass die Migranten auf andere EU-Staaten verteilt werden. Die Regierung pocht auch darauf, dass die Schiffe nicht alle in italienischen Häfen anlegen. Die EU streitet seit langem um einen Verteilmechanismus - eine Lösung gibt es bisher nicht.

Salvini warf der Bundesregierung „Erpressung“ vor. In einer E-Mail habe die Bundesregierung Italien vorgeschlagen, dass Deutschland 30 Migranten von dem italienischen Küstenwachenschiff „Gregoretti“ übernehme, wenn im Gegenzug die 40 Migranten auf dem deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ in Italien aussteigen dürften, hatte er am Donnerstag erklärt.

Das Bundesinnenministerium ging darauf nicht ein. Aus dem Ministerium hieß es: „Der Bundesregierung ist es ein Anliegen, Menschen vor dem Ertrinken zu retten und zu vermeiden, dass Schiffe tage- oder wochenlang vor den europäischen Häfen liegen, bevor sie anlegen dürfen.“ Die Regierung habe sich deshalb im laufenden Jahr in allen Fällen zur freiwilligen Übernahme aus dem Mittelmeer Geretteter bereit erklärt. „Auch im vorliegenden Fall der "Gregoretti", einem italienischen Küstenwachschiff, hat sich die Bundesregierung gegenüber der Europäischen Kommission, welche die Umverteilung von Seenotgeretteten koordiniert, freiwillig bereit erklärt, für einen Teil der Seenotgeretteten die Zuständigkeit zur Durchführung der Asylverfahrens zu übernehmen.“

(zim/dpa)
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