Zwei Menschen sterben bei Protesten nach Evo Morales Rückzug aus Bolivien

Nach Ausreise von Evo Morales : Zwei Tote bei Protesten in Bolivien

Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Evo Morales und den Sicherheitskräften sind in Bolivien zwei Männer gestorben. Morales meldet aus dem Exil, er sei immer noch Präsident des Landes.

Bolivien kommt nicht zur Ruhe. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des früheren Präsidenten Evo Morales und der neuen Interimsregierung sowie den Sicherheitskräften sind in Bolivien zwei Menschen ums Leben gekommen. Die beiden jungen Männer seien im Department Santa Cruz im Osten des Landes erschossen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit drei Wochen andauernden Krawallen auf insgesamt zehn. In verschiedenen Teilen des Landes kam es erneut zu Plünderungen und Brandanschlägen.

Präsident Evo Morales war nach massiven Protesten und auf Druck des Militärs am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter ihm Wahlbetrug vorgeworfen hatten.

Morales war am Wochenende ins Exil nach Mexiko ausgeflogen. Die zweite Vizepräsidentin des Senats, Jeanine Añez, erklärte sich daraufhin zur Interimspräsidentin und will nun Neuwahlen organisieren.

Nach seiner eigenen Auffassung ist Morales jedoch noch immer Präsident Boliviens. Das Parlament müsse seinen Rücktritt entweder annehmen oder ablehnen, sagte er am Tag nach seiner Ankunft in Mexiko der spanischen Zeitung „El País“. „Solange es das nicht tut, bin ich weiterhin Präsident.“

Wenn sein Rücktritt bestätigt würde, stehe nach dem Rücktritt seines Vizepräsidenten verfassungsgemäß der Präsidentin des Senats, Adriana Salvatierra, das Amt des Staatschefs zu, führte Morales fort. Diese hatte zwar am Sonntag im Fernsehen ihren Rücktritt erklärt; am Mittwoch reklamierte sie aber ebenfalls, ihr Rücktritt sei mangels Annahme des Parlaments bislang nicht in Kraft getreten.

Die Erklärung von Añez zur Übergangspräsidentin hatte heftige Proteste ausgelöst. In den Straßen des Regierungssitzes La Paz und der Schwesterstadt El Alto kam es am Mittwoch zu Zusammenstößen zwischen Unterstützern von Morales und der Polizei, bei der Steine flogen und Tränengas eingesetzt wurde. Wütende Demonstranten entfernten Wellblechplatten und Holzbretter von Baustellen und nutzen sie als Waffen. Viele schwangen die bunte Flagge der Indigenen und riefen „Jetzt Bürgerkrieg!“. Auch im Kongress formierte sich Widerstand.

(juju/dpa/AP)
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