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Protest gegen Chinas Menschenrechtspolitik: Zwei junge Tibeter verbrennen sich selbst

Protest gegen Chinas Menschenrechtspolitik : Zwei junge Tibeter verbrennen sich selbst

Vor dem Besuch von Kanzlerin Merkel in China haben sich zwei junge Tibeter aus Protest gegen die chinesische Herrschaft selbst angezündet. Damit zeigt die Zahl solcher Protestakte seit 2009 auf 51. Exil-Tibeter sprechen von wachsender Verzweiflung. Sie hoffen, dass Merkel die Menschenrechtslage in Tibet anspricht.

Aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über das tibetische Volk haben sich zwei junge Tibeter in Südwestchina selbst angezündet und verbrannt. Nach Angaben der Organisation Free Tibet in London vom Dienstag geschahen die Selbstverbrennungen am Montag vor dem Kloster Kirti im Kreis Aba in der Provinz Sichuan.

Der 17 Jahre alte, ehemalige Mönch Damchoek und der 18 Jahre alte Mönch Lobsang Kalsang seien am Abend ihren Verletzungen erlegen. Damit steigt die Zahl solcher Protestakte seit 2009 auf 51. Mindestens 38 Tibeter sind nach exiltibetischen Angaben dabei ums Leben gekommen. Sie sehen in den Selbstverbrennungen ein Zeichen für die wachsende Verzweiflung der Tibeter. Aktivisten forderten Kanzlerin Angela Merkel auf, bei ihrem Besuch am Donnerstag in China die Menschenrechtslage in Tibet anzusprechen.

"Dialog mit Tibetern suchen"

"Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass sie von der chinesischen Regierung eine Änderung der Tibetpolitik erwartet", verlangte der Geschäftsführer der Internationalen Kampagne für Tibet (ICT), Kai Müller, in Berlin. "Statt mit mehr Repressionen auf die andauernden Selbstverbrennungen zu reagieren, muss die chinesische Regierung den Dialog mit den Tibetern suchen und die Menschenrechte achten."

Merkel solle sich auch für die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen China und den Tibetern einsetzen, forderte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Die Verzweiflung über die chinesische Tibet-Politik unter den Tibetern ist groß." Das zeigten die vielen Selbstverbrennungen. "Die Proteste können nur abnehmen, wenn es endlich zu einem echten Dialog zwischen der chinesischen Regierung und der tibetischen Exilregierung kommt", teilte die GfbV mit.

Die Selbstverbrennungen seien nur ein Teil des Widerstandes, berichtete Free Tibet: "Viele tausend Tibeter riskieren ihr Leben, um nach Freiheit zu rufen und ihre Ablehnung gegenüber der chinesischen Herrschaft in diesem tibetischen Frühling deutlich zu machen."

China kappt Internetverbindungen

Die chinesischen Behörden reagierten mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen, unterbrächen Internet- und Telekommunikationsverbindungen und verhängten hohen Strafen gegen Tibeter, die Informationen über die Vorfälle verbreiteten.

Nach der Gründung der kommunistischen Volksrepublik 1949 war die Volksbefreiungsarmee 1950 in dem größten Hochland der Erde einmarschiert. Unter Druck gaben tibetische Vertreter 1951 ihre Unabhängigkeit auf, bekamen aber weitreichende Autonomie zugestanden.

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Da sich die chinesische Präsenz in Tibet immer mehr zur Zwangsherrschaft entwickelte, brachen wiederholt Unruhen aus, die am 10. März 1959 in einem Volksaufstand mündeten. Der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, flüchtete damals ins indische Exil.

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(dpa)