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Sarah Palin geht auf Sendung: "Ziemlich viel Bla-bla"

Sarah Palin geht auf Sendung : "Ziemlich viel Bla-bla"

Washington (RP). In einer neuen Fernsehserie führt Sarah Palin durch ihre Heimat Alaska. Mit ihrer medialen Dauerpräsenz bereitet die Rebellin der Republikaner ihre Präsidentschaftskandidatur 2012 vor.

Lachse springen durchs Bild, Bergseen schimmern, Schlittenhunde ziehen ausdauernd ihre Bahnen. Und wie es der Zufall so will, tapst irgendwann auch eine Braunbärin vor die Kamera. Es ist keine der imposanten Grizzlybärinnen, von denen Sarah Palin so gerne erzählt, weil sie die mächtige "Mama Grizzly" zum Symbol des Beschützerinstinkts amerikanischer Mütter gegenüber kontrollwütigen Staatsbürokraten erhebt. Aber die kleinere Ausführung tut's auch. Bärin ist schließlich Bärin, es geht sowieso um die Metapher. "Schauen Sie nur, wie sie ihre Jungen behüten. Davon können wir Menschen nur lernen."

In "Sarah Palins Alaska", einer am Wochenende angelaufenen Fernsehserie, führt die ehemalige Kleinstadtbürgermeisterin aus Wasilla durch ihre Heimat. Sie fährt Kanu, holt Fischernetze ein, legt Kettensägen an Baumstämme. Mit charakteristisch hoher, leicht schriller Stimme lässt sie wissen, dass sie ihre Zeit ohnehin am liebsten mit hart arbeitenden Landsleuten in freier Natur verbringt, statt im Büro hinterm Schreibtisch zu hocken. Zu Hause hängt sie Schilder an die Treppe, die ihre Teenager-Tochter Willow ermahnen, keine Jungs mit nach oben zu nehmen. Und der Nachbar bekommt auch sein Fett ab.

Optimismus statt Krisengejammer

Der heißt Joe McGinnis, ist Journalist und hat sich fieserweise nebenan eingemietet, um ein Buch über Sarah zu schreiben. Ein fünf Meter hoher Zaun, aufgestellt von Ehemann Todd, versperrt ihm die Sicht auf das Palin-Anwesen. Die Hauptdarstellerin macht daraus ein Lehrbeispiel, national bedeutsam. "Andere können sich den Zaun anschauen und sagen, so was brauchen wir auch an unserer Grenze."

"Ziemlich viel Bla-bla", schreibt die "Washington Post" und vergleicht die Sendung mit einem schwatzhaften Verwandten, der seine Urlaubsdias zeigt und die Geduld seiner Gäste mit überlangen Monologen auf eine harte Probe stellt. Allzu offensichtlich ist die Selbstvermarktung. Doch mit solchen Filmen bleibt Palin im Gespräch, die republikanische Diva, die im Medienbusiness 14 Millionen Dollar verdiente, seit sie den Gouverneurssessel Alaskas vorzeitig räumte.

Sie hat eine Autobiografie geschrieben, bewertet beim erzkonservativen Sender Fox regelmäßig das Zeitgeschehen und gibt sich in patriotischen Werbespots als wahre Erbin Ronald Reagans. Den "Morgen in Amerika" hat sie zuletzt beschworen, Optimismus statt Krisengejammer, genau wie der Präsident der 80er Jahre, den seine Anhänger immer nostalgischer verklären. Nun scheint sie mehr zu wollen: eine Kandidatur fürs Weiße Haus.

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"Ich kann Russland von meiner Haustür sehen"

Kaum einer zweifelt noch daran, dass sie ihren Hut in den Ring wirft für die Wahl 2012. "Ich kann 2012 von meiner Haustür sehen", kalauert Palin. Es soll ein Scherz sein und obendrein eine kleine Revanche an den Spöttern. "Ich kann Russland von meiner Haustür sehen", hatte sie ihre weltpolitische Eignung begründet, nachdem John McCain sie zur Anwärterin aufs Vizepräsidentenamt gekürt hatte und sie sich blamierte, weil sie schockierend wenig wusste über die Welt jenseits der amerikanischen Küsten.

Die kritischen Stimmen sind nicht verstummt, nur kommen die lautesten im Augenblick aus den eigenen Reihen. "In der eigenen Reality-Show aufzutreten", spottet George W. Bushs Stratege Karl Rove über den filmischen Streifzug durch Alaska, "ich bin mir nicht sicher, ob das passt zum Kalkül 'Liebe Zuschauer, es hilft mir, Sie später im Oval Office wiederzusehen'." Die Wirtschaftsfraktion der Grand Old Party favorisiert den Finanzexperten Mitt Romney, dem freilich jedes Charisma fehlt. Der religiöse Flügel hält es mit Mike Huckabee, dem Baptistenpfarrer aus dem Süden. Palin lässt sich in keine Schublade sortieren.

Vielmehr spielt sie die Rolle der Rebellin aus der Provinz. Aufgesprungen auf den Zug der unberechenbaren Tea-Party-Bewegung, ist sie für die Spitze der Republikaner ein Störfall. "Einige im Establishment mögen mich nicht", hält sie den alten Seilschaften entgegen. "Sie mögen mich nicht, weil ich mich dem Club der Good Old Boys nicht beuge." Es klingt nach einer Kampfansage.