Mahamat Kamoun tritt Amt an: Zentralafrika hat erstmals muslimischen Ministerpräsidenten

Mahamat Kamoun tritt Amt an: Zentralafrika hat erstmals muslimischen Ministerpräsidenten

Ein Muslim führt ab sofort die Regierung in Zentralafrika. Zusammen mit der christlichen Präsidentin soll er das Land aus dem Chaos führen. Aber wie stehen seine Chancen?

Nach mehr als 18 Monaten der Gewalt zwischen Christen und Muslimen hat die Zentralafrikanische Republik erstmals einen muslimischen Ministerpräsidenten. Mahamat Kamoun habe am späten Sonntagabend sein Amt angetreten und werde eine Übergangsregierung führen, berichtete der Sender Radio France International am Montag.

Der 53-jährige Kamoun gilt als Finanzexperte und war ein enger Berater des ehemaligen Anführers der Séléka-Rebellen, Michel Djotodia, der im vergangenen Jahr zeitweise die Macht an sich gerissen hatte.

Die Regierung der christlichen Amtsvorgängers Andre Nzapayeke war in der vergangenen Woche zurückgetreten. Staatspräsidentin Catherine Samba-Panza - ebenfalls eine Christin - hatte nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen der Séléka und den christlichen Anti-Balaka-Milizen Ende Juli die Bildung einer Regierung auf einer breiteren politischen und ethnisch-religiösen Basis gefordert. Nun will sie zusammen mit Kamoun den Friedensprozess vorantreiben.

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Der Vize-Chef der Rebellen, Nourredine Adam, sowie zahlreiche Mitglieder des Bündnisses zeigten sich unzufrieden mit der Ernennung Kamouns. Gleichzeitig forderten viele Christen in der Hauptstadt Bangui, Nzapayeke wieder als Ministerpräsidenten einzusetzen.

Seit dem Sturz des Präsidenten François Bozizé im März 2013 durch die Séléka versinkt das christlich geprägte Land im Chaos. Immer wieder kommt es zu blutiger Gewalt. Tausende Menschen sind in dem Konflikt ums Leben gekommen, über eine Million wurden bereits vertrieben. In dem armen Land sind 2000 französische, 6500 afrikanische und 800 europäische Soldaten im Einsatz, um den Kämpfen Einhalt zu gebieten.

(dpa)
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