Yanis Varoufakis: Provozieren kann er

Giannis Varoufakis : Provozieren kann er ja

Er gilt als scharfsinnig und ist Tsipras Superstar der Ökonomie. Zwar hat der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis in Brüssel noch keine belastbaren Reformkonzepte geliefert, dafür aber geht er seinen Amtskollegen mit provokanten Sprüchen auf die Nerven. Eine Auswahl.

Jemand mit Hochschulabschlüssen in Mathematik und Statistik, dazu promoviert, rhetorisch versiert und dazu Buchautor, genießt in der Regel gehörigen Respekt. Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis ist jedoch auf dem besten Wege, ihn bei seinen europäischen Partnern zu verspielen.

Stattdessen liefert er etwas, was man von einem Finanzminister üblicherweise weniger erwarten würde. Schon früh wählte er in der Euro-Schuldenpolitik drastische Worte: "Der Euro ist nicht zukunftsfähig. Die Art und Weise, wie die EU diese Krise anging, war monumental idiotisch", positionierte er sich schon vor den schwierigen Verhandlungen um eine Verlängerung der Griechenlandhilfen und forderte einen "Schuldenschnitt".

Er beherrscht fast alle Ausdrucksmittel

Während er einerseits in gestelzten Briefen an Brüssel schreibt: "Die griechische Regierung erkennt die finanziellen Verpflichtungen Griechenlands gegenüber seinen Kreditgebern an", und das Finanz-Abkommen "in Bezug auf finanziellen und prozeduralen Inhalt als bindend" betrachtet, erklärt er andererseits in Interviews direkt nach der Verlängerung der Hilfen: "Wenn wir das Geld hätten, würden wir zahlen. Sie wissen, dass wir es nicht haben."

In einem Interview aus dem Jahr 2014, das erst jetzt veröffentlicht wurde, formuliert er seine Kritik an das EU-Hilfsprogramm drastisch: "Die klugen Leute in Brüssel, in Frankfurt und auch in Berlin wussten schon im Mai 2010, dass Griechenland niemals seine Schulden zurückzahlen wird. Aber sie haben so getan, als sei Griechenland nicht bankrott, sondern habe nur gerade nicht genug flüssige Mittel."

Manchmal weiß man nicht so genau bei ihm

Und weiter: "In dieser Lage dem insolventesten aller Staaten den größten Kredit der Geschichte zu geben, wie drittklassige korrupte Banker, das war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Dabei nimmt er gerne mal den Mund voll und behauptet im Zeit-Interview: "Griechenland wird — abzüglich der Zinsausgaben — nie wieder einen Haushaltsdefizit vorlegen. Nie, nie, nie!"

Manchmal weiß man bei ihm nicht, ob er absichtlich oder aus Versehen mit seinen Kommentaren die Stimmung schockgefriert. So etwa, als er die in Brüssel nach zähem Ringen zugesagten Reformversprechen nachträglich als substanzloses Blabla interpretierte. Beispielhaft dafür stand seine Wortschöpfung "produktiver Undeutlichkeit". Man habe die griechischen Reformpläne absichtlich unbestimmt formuliert. "Wenn wir da eine (kleinere) Zahl (in das Dokument) schreiben, kriegen wir es nicht durch (die Parlamente). Wollen wir nicht eine unklare Umschreibung benutzen?", hätten die Finanzminister der anderen Eurolandstaaten nach Angaben von Varoufakis vorgeschlagen.

"Komplette Zeitverschwendung"

Einen Gefallen getan hat er seinem Land damit eher nicht. Mit seinen Äußerungen hat er das Vertrauen der Geldgeber Stück für Stück schwinden lassen. "Schauen Sie sich Tsipras an, schauen Sie sich Varoufakis an: Würden Sie von denen einen Gebrauchtwagen kaufen?", fragte zuletzt etwa der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch.

Zunehmend ist der Eindruck entstanden, die neue Regierung sei mit ihren historischen Aufgaben schlichtweg überfordert. So bezeichnete der Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem die Gespräche mit der griechischen Regierung am Montag sichtlich genervt als "komplette Zeitverschwendung".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigt sich hingegen weitgehend unbeeindruckt von den rhetorischen Ausschweifungen seines griechischen Kollegen. Ihm geht es vor allem um eines: dass Griechenland die mit der Verlängerung verbundenen Auflagen der Eurogruppe erfüllt. In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte Schäuble: "Es interessiert mich nur begrenzt, was die Griechen in Interviews sagen. Mich interessiert, worauf sie sich verpflichtet haben (...). Und wenn sie es nicht einhalten, tragen sie selber die Konsequenzen."

(rm)