Gastgeber der Fußball-WM Außenminister von Katar wirft Deutschland Doppelmoral vor

Berlin · Zwei Wochen vor der Fußball-WM in Katar hält die Kritik am Gastgeber des Turniers an. Der Außenminister des Emirats nennt die kritischen Töne aus Europa „arrogant und rassistisch“. Al Thani verspricht „eine der besten Weltmeisterschaften“.

Mohammed bin Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, Außenminister von Katar, während einer Konferenz in Pakistan. Er hält Kritik am WM-Gastgeber für unfair.

Mohammed bin Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, Außenminister von Katar, während einer Konferenz in Pakistan. Er hält Kritik am WM-Gastgeber für unfair.

Foto: dpa/Anjum Naveed

Katars Außenminister hält die Kritik aus der deutschen Politik am Gastgeber der Fußball-WM für Doppelmoral. „Auf der einen Seite wird die deutsche Bevölkerung durch Regierungspolitiker falsch informiert, auf der anderen hat die Regierung kein Problem mit uns, wenn es um Energiepartnerschaften geht oder um Investitionen“, sagte Mohammed bin Abdulrahman Al Thani der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er könne nicht verstehen, dass für den WM-Ausrichter „auf einmal andere Maßstäbe“ gelten würden. „Das ist nicht die Art von Beziehung, die wir zwischen zwei Ländern wie Deutschland und Katar sehen wollen“, sagte der Außenminister.

Zuletzt hatte es vor dem Katar-Besuch der Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die auch für den Spitzensport zuständig ist, Misstöne gegeben, weil die SPD-Politikerin die Vergabe der Weltmeisterschaft an das arabische Land kritisiert hatte. Die WM in dem Emirat steht wegen Menschenrechtsverstößen und des Umgangs mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Ländern schon lange in der Kritik.

Außenminister Al Thani beteuerte, Katars Regierung habe eine Reihe von Reformen in Gang gesetzt, auch beim Arbeitsrecht. „Das ist ein fortlaufender Prozess, der nie aufhört – und der auch nach der WM nicht aufhören wird“, sagte er. Es sei aber unfair, immer auf Katars Regierung zu zeigen. „Wenn es in einem europäischen Land ein Problem gibt, etwa mit der Sicherheit am Arbeitsplatz, dann stehen die Unternehmen in der Kritik“, sagte Al Thani.

Die Unternehmen, darunter auch europäische, seien in Katar in der Pflicht, die neuen Regeln und Standards umzusetzen. „Wenn sich die Unternehmen trotzdem nicht daran halten, ist das nicht die Schuld der Regierung“, sagte der Außenminister der Zeitung.

Die Kritik aus Europa an der Lage in Katar bezeichnete er als „sehr arrogant und sehr rassistisch“. Dennoch sei die Vergabe der WM für sein Land „ein Segen. Wir sind sehr stolz darauf, und wir sind sehr zuversichtlich, dass diese Weltmeisterschaft eine der besten sein wird, die Sie je gesehen haben“, sagte Al Thani.

(juju/dpa)
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