Wladimir Putin macht Panzer-Witze

Kreml-Chef auf Waffenmesse : Wladimir Putin macht Panzer-Witze

Die Spannungen in der Ukraine-Krise animieren Russlands Präsidenten Wladimir Putin offenbar zum Scherzen. Beim Besuch einer Ausstellung sinnierte er über die Durchsetzungskraft von Höflichkeit und Waffen. Pate für seine Gedanken: Offenbar Al Capone.

In Anlehnung an einen Spruch des Chicagoer Gangsterbosses hob der Kreml-Chef am Dienstag die Vorteile hervor, Waffen zur Schau zur stellen.

Beim Besuch einer Waffenausstellung hielt er vor einem gepanzerten Fahrzeug, das wegen seiner Zwischenstellung zwischen einem Transporter und einem Panzer als "höfliches" gepanzertes Gefährt bezeichnet wird. "Höfliche bewaffnete Fahrzeuge? Mit Höflichkeit und einer Waffe kann man weit mehr erreichen als nur mit Höflichkeit", bemerkte Putin trocken, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Von Al Capone ist der Spruch überliefert: "Man kommt weit mit einem Lächeln. Aber noch weiter kommt man mit einem Lächeln und einem Revolver."

Dass Putin das Wort "höflich" aufgriff, war offenbar auch eine Anspielung auf die Annexion der Krim im März, die von schwer bewaffneten russischen Soldaten ohne Hoheitszeichen vorbereitet worden war.

Die Truppen hatten damals die Kasernen belagert und so ein Ausrücken der ukrainischen Streitkräfte verhindert. Wegen ihres stummen Auftretens waren sie ironisch als "höfliche Leute" bezeichnet worden.

Putin steht weiterhin international am Pranger. Kiew, EU, USA und Nato werfen Moskau insbesondere vor, die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine auch nach Aushandlung eines Waffenstillstandes weiter militärisch zu unterstützen.

Am Dienstag richtete Putin vor einer Gruppe einflussreicher Anhänger. erneut scharfe Worte in Richtung der USA und warf der Supermacht vor, Russland unterwerfen zu wollen. "Das hat niemand in der Geschichte mit Russland geschafft und das wird niemand jemals schaffen", sagte Putin.

Putin gerät wegen seines Verhaltens in der Ukraine-Krise international immer stärker in die Isolation. Zuletzt hatte ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und sein russischer Kollege Sergej Lawrow bemühten sich unterdessen bei einem Treffen in Moskau, den Dialog für eine Lösung des Konflikts wieder zu beleben.

Unter dem Beifall seiner Anhänger sagte Putin, die USA wollten ihre eigenen Probleme auf Kosten Russlands lösen. Sie zielten darauf ab, die Regierung in Moskau klein zu halten. Im März hatte US-Präsident Barack Obama Russland als eine "Regionalmacht" bezeichnet. Russland ist das flächenmäßig größte Land der Erde und hat in der politischen Nachkriegsordnung eine zentrale Rolle gespielt.

Putin hat einen Großteil seiner langjährigen Präsidentschaft darauf ausgerichtet, das internationale Prestige Russlands nach dem Ende der Sowjetunion wieder aufzubauen. Vorwürfe, im Kampf der prorussischen Ukraine-Separatisten die Fäden zu ziehen, weist er zurück. Kanzlerin Merkel beschuldige Putin einer Annexionspolitik, mit der er auf das Recht des Stärkeren setze. Beleg dafür sei die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland. Sie warnte davor, dass Putin eine solche Politik auch gegenüber Ländern wie Moldawien oder Serbien betreiben könnte.

Auch Steinmeier sagte, die "gewachsene Friedensordnung" der Nachkriegszeit sei "in Bedrängnis geraten". Der russische Außenminister Lawrow beteuerte, Russland stehe weiter hinter dem Minsker Abkommen zur Beilegung des Konflikts. Die Separatisten und die Kiewer Regierung müssten über eine Beilegung des Konfliktes sprechen, sagte Lawrow. In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten sich die Rebellen und die Regierung der Ukraine unter Beteiligung Russlands und Vertretern westlicher Staaten im September auf einen Waffenstillstand geeinigt, um nach einer Lösung zu suchen. Die Waffenruhe ist jedoch seit Beginn brüchig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Wladimir Putin - eitel, autoritär, entschlossen

(AFP REU)