Wladimir Putin: In Russland brodelt die Gerüchteküche

Gerüchte um den Kreml-Chef : "Es sieht so aus, als sei Putin krank geworden"

Versucht der Kreml einen Ausfall Putins zu vertuschen? In Russland kocht die Gerüchteküche. Auf die Absage eines Regierungstreffens folgen Hinweise auf manipulierte Medienberichte, in denen Fotos umdatiert wurden. Einige vermuten: In Wirklichkeit soll der Kreml-Chef bereits eine Woche nicht mehr zu sehen gewesen sein. Der Kreml dementiert.

Agenturmeldung vom Mittwochmittag: Präsident Wladimir Putin hat überraschend eine Reise nach Kasachstan abgesagt. Für Freitag war ein Treffen mit den Amtskollegen aus Kasachstan und Weißrussland vorgesehen.

Der Kreml hüllt sich in Schweigen. Die Nachrichtenagentur Reuters aber zitiert einen Mitarbeiter der kasachischen Regierung, der namentlich nicht genannt werden will: "Es sieht so aus, als sei Putin krank geworden." Der Kreml betont hingegen: Eine Krankheit sei nicht der Grund, das Treffen solle ein paar Tage später nachgeholt werden.

Gerüchte über eine ernste Erkrankung Putins gibt es schon länger. Im Oktober 2014 war zuerst von einer Krebserkrankung die Rede, im Februar streute das Pentagon die Behauptung, der russische Präsident leide unter dem Asperger-Syndrom, einer autistischen Störung. In Blogs und Thinktanks wird spekuliert, dass Putin vor allem wegen seiner gesundheitlichen Probleme im Ukraine-Konflikt aufs Tempo drückt und Fakten schafft.

Nun erhält die Gerüchteküche neues Futter. Das Blog Interpreter Mag verweist auf eine Sammlung von russischen Medienberichten, die erneut von einer Erkrankung des Präsidenten ausgehen und dafür einige bemerkenswerte Anhaltspunkte liefern wollen.

Ein Treffen, das nicht stattgefunden hat Nach Darstellung von Putins Büro soll der russische Staatschef im Kreml den Chef der Verwaltungseinheit Jamal-Nenzen im Norden Russlands getroffen haben. Medien mit angeblich guten Kontakten zum Kreml schreiben aber, dieses Treffen habe gar nicht stattgefunden. In Wirklichkeit sei Putin eine ganze Woche lang nicht mehr zu sehen gewesen, behauptet "RBC Daily".

Inszenierte Aufnahmen Demnach waren Aufnahmen, die Putin angeblich am Internationalen Frauentag am 8. März zeigen sollen, von seinem persönlichen Kameramann bereits am 5. März aufgenommen worden. Eine Inszenierung. Das Blatt beruft sich auf die Aussage eines Zeugen, der bei den Aufnahmen dabei gewesen sein will. Putin habe bei den Frauen einen durchaus guten Eindruck hinterlassen, aber müde gewirkt.

Ein umdatiertes Foto Die Irritationen um Putin fußen noch auf weiteren Beobachtungen. Ein Foto soll falsch datiert gewesen sein, das Putin im Gespräch mit dem Gouverneur von Karelien zeigt, dabei offenbar bei bester Gesundheit. In den russischen Medien wurden gemeldet, das Treffen habe am 11. März stattgefunden. In Wirklichkeit soll die Aufnahme bereits am 4. März entstanden sein.

TV-Berichte mit Widersprüchen Indizien für diesen Verdacht: Ein Screenshot einer Fernsehaufnahme, der von dem angeblichen Treffen am 11. März berichtet. Ein Kalender auf einem Schreibtisch im Hintergrund zeige aber ein anderes Datum: Nämlich den 4. März. Die Aufnahmen im Blog sind allerdings unscharf, ein Datum lässt sich nicht zweifelsfrei erkennen.

Dasselbe Gespräche an zwei verschiedenen Tagen Auch der Kreml berichtet auf seiner Website von einem mysteriösen Treffen mit dem Hinweis, es habe aktuell am Mittwoch stattgefunden. Lokale Blätter aus Karelien hätten jedoch schon eine Woche früher darüber geschrieben. Abermals soll ein Screenshot als Beweismittel dienen: Er zeigt angeblich die Website mit einem Bericht vom 5. März, der auf einen vorangegangenen Text vom 4. März verweist.

In der Öffentlichkeit gesehen wurde Putin zweifelsfrei zuletzt am 5. März bei einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Moskau. Später über internationale Agenturen verschickte Bilder stammen alle vom Presseamt des Kreml, sind aber angeblich nach dem 5. März entstanden.

Sein Sprecher jedenfalls sah sich nun am Donnerstag gezwungen, die Gerüchte über den Gesundheitszustand zu dementieren. Dmitri Peskow sagte im Radiosender Moskauer Echo, dass Putin "absolut" gesund sei, es gebe "keinen Grund zur Sorge". Auf die Frage, ob Putin denn noch einen festen Händedruck habe, sagte Peskow lachend: "Er bricht dir die Hand." Allerdings könne er nicht sagen, wann das Staatsoberhaupt seinen nächsten öffentlichen Auftritt haben werde.

Möglicherweise hat die Konfusion um Putin aber auch ganz andere, eher bürokratische Ursachen. Wie auch Interpreter Mag anmerkt, könnte die Verzögerung der Berichte über das Treffen damit zu tun haben, dass der Kreml eine offizielle Erklärung so lange hinausgezögert hat. Zudem soll es im Kreml nicht unüblich sein, Aufnahmen zu inszenieren, die zu einem späteren Anlass veröffentlicht werden sollen.

(pst)
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