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Wjatscheslaw Ponomarjow: "Schneller positiver Ausgang für OSZE-Geiseln möglich"

Hoffnung für festgehaltene OSZE-Beobachter : Ponomarjow: "Schneller positiver Ausgang möglich"

Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung wächst: Die Verhandlungen über die Freilassung der im ostukrainischen Slawjansk festgehaltenen OSZE-Militärbeobachter machen nach den Worten des prorussischen Milizenführers Wjatscheslaw Ponomarjow "bedeutende Fortschritte".

Binnen "kürzester Zeit" sei ein "positiver Ausgang" möglich, sagte Ponomarjow am Dienstag während einer Pressekonferenz in Slawjansk. Die Milizen halten seit Freitag sieben OSZE-Militärbeobachter in ihrer Gewalt, darunter vier Deutsche. Zuvor war OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier zu Gesprächen in Kiew eingetroffen. Im Anschluss forderte der ukrainische Übergangsaußenminister Andrej Deschtschyzja am Dienstag die sofortige Freilassung der Gefangenen.

Ponomarjow hatte die von seinen Kämpfern gefangen genommenen Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als "Kriegsgefangene" und "Nato-Spione" bezeichnet und gedroht, sie nur im Austausch gegen festgenommene prorussische Aktivisten freizulassen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat unterdessen die Hoffnung geäußert, dass die von Separatisten in der Ost-Ukraine festgehaltenen Militärbeobachter freikommen. Er setze darauf, dass die Gruppe die Region ungehindert verlassen könne, sagte er am Dienstagabend nach Angaben der Agentur Interfax in Minsk. Putin kritisierte die ukrainische Regierung dafür, dass sie die Militärs ins Land geholt habe. Darüber habe er auch bei seinem Treffen mit Altkanzler Gerhard Schröder am Montag gesprochen. Moskau hat wiederholt betont, keinen Einfluss auf die Geiselnehmer, prorussische Separatisten in der Ostukraine, zu haben.

Wer ist dieser Ponomarjow?

Noch bis vor kurzem hat den 48 Jahre alten Wjatscheslaw Ponomarjow aus der ostukrainischen Großstadt Slawjansk kaum jemand gekannt - und schon gar nicht in der Weltpolitik. Doch seit der selbst ernannte "Volksbürgermeister" der 120.000-Einwohner-Stadt jetzt deutsche Militärbeobachter und andere Ausländer in seiner Gewalt hat, muss sich nun sogar die internationale Politik mit dem prorussischen Separatisten befassen.

Selbstbewusst fordert der frühere Geschäftsmann, der am 2. Mai 1965 - noch zu tiefsten Sowjetzeiten - in Slawjansk zur Welt kam, die EU auf, ihre Sanktionen gegen ukrainische und prorussische Funktionäre zurückzunehmen. Ansonsten wolle er die Gefangenen nicht freilassen.

Erst Mitte April hatte Ponomarjow die politische Bühne betreten. Im Geist sei er ein echter Revolutionär, meinte russischen Medien zufolge einmal sein Geschäftspartner Iwan Degtjar. Der holte ihn einst als Miteigentümer in seine Seifenfabrik.

Der untersetzte Mann mit dem Stiernacken und geschorenem Haar tritt gern bürgernah in einer schwarzen Trainingsjacke auf. Dass an seiner linken Hand Zeige- und Mittelfinger und im Mund mehrere Zähne fehlen, werteten Beobachter zuletzt als Zeichen eines bewegten Lebens.

Nach dem Dienst in der Sowjetarmee und in der Marine und dem Zerfall des Kommunismus verdiente er in den chaotischen 1990ern mit verschiedenen Geschäften Geld, handelte zeitweilig auch mit Autos und Immobilien.

Sich selbst bezeichnete der geschiedene Ponomarjow in Interviews als bescheiden. Was er an Geld verdiene, gebe er seiner Mutter und seinem Sohn zum Leben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wjatscheslaw Ponomarjow - der Volksbürgermeister von Slawjansk

(AFP)