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Willkürlicher Handelsstreit: Donald Trump, der die Weltwirtschaft herabzieht

Kommentar zum Handelsstreit : Trump, dem eine weltweite Rezession egal ist

Donald Trump hat die Anhebung der US-Einfuhrzölle von zehn auf 25 Prozent für viele weitere Produkte aus China angekündigt. Damit riskiert der dealende Immobilienmogul im Weißen Haus eine Weltrezession, die auch die USA hinabreißen würde.

Wie sehr der von Donald Trump angezettelte Handelsstreit mit China auch uns in Deutschland berührt, zeigte am Donnerstag die neue Steuerschätzung: Der deutsche Staat nimmt in den kommenden Jahren über 100 Milliarden Euro weniger ein, weil die Wirtschaft weniger expandiert. Die deutsche Konjunktur leidet besonders, wenn die Weltwirtschaft schwächer wird – und sie wird es schon seit etwa einem Jahr vor allem aus menschengemachten Gründen. Oder besser gesagt: Weil ein einziger Mensch in Washington an der Zollschraube dreht. Der US-Präsident geht mit der Welt um wie ein Immobilienmogul, der ständig größere Deals zum eigenen Nutzen machen möchte. Er handelt scheinbar willkürlich, brutal, mitunter sogar kriminell. Dass er auf diese Weise eine Weltrezession riskiert, die auch die USA mit hinab reißen wird, scheint ihn nicht zu interessieren.

Man darf darüber nachdenken, ob dieses Verhalten gegenüber dem ebenfalls völlig intransparenten und von national-imperialem Interesse getriebenen China nicht genau das Richtige ist. Die Volksrepublik hat ihre Erfolgsgeschichte auch darauf aufgebaut, dass sie gnadenlos technologisches Know-how von anderen stiehlt, zum Beispiel von deutschen Industriefirmen. Die Antwort auf die gestellte Frage lautet aber dennoch: Nein, so funktioniert es nicht. Denn Trump treibt China in eine protektionistische Zoll-Spirale. Bald haben die beiden größten Volkswirtschaften ihren kompletten bilateralen Handel mit hohen Zollschranken belegt. Dabei kommen vor allem auch deutsche Unternehmen unter die Räder, die in den USA produzieren und Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen haben wie etwa BMW oder Daimler. Denn viele der in den USA produzierten Autos werden nach China verkauft, wo sie bald deutlich teurer sein werden. So schadet Trump auch der eigenen Wirtschaft.

Bei diesem Kräftemessen setzt Trump darauf, dass China viel mehr als die USA auf den Export angewiesen ist. Er meint, die Chinesen in die Knie zwingen zu können, weil die ihr Milliardenvolk durch Exporterfolge ernähren müssen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass die US-Wirtschaft von Importen abhängig ist, die durch Trumps Einfuhrzölle teurer werden. Zudem verfügt China über eine Macht, die es bisher noch kaum einsetzt: Die Chinesen besitzen erhebliche Teile der USA, weil sie ihr angehäuftes Billionen-Kapital in amerikanischen Anleihen und Wertpapieren angelegt haben. Zögen sie das Kapital raus, bräche der US-Dollar so stark ein, dass auch Trump das nicht mehr lustig fände. Die Renditen für US-Staatspapiere müssten zudem drastisch steigen und der ohnehin schon gigantisch verschuldete amerikanische Staat müsste Geldgebern deutlich höhere Zinsen versprechen, was wiederum bedeuten würde, dass seine Bonität herabgesetzt werden müsste. Auf Dauer könnte Trump das nicht aushalten.

Verliert China das Kräftemessen, wäre dies keine gute Nachricht: Trump würde sein brutales Vorgehen als Erfolgsgeschichte und Blaupause für die Zukunft preisen. Er würde weitermachen, kurzfristige Erfolge erzielen – und die Wahrscheinlichkeit, dass der Irre im Weißen Haus 2020 wiedergewählt wird, würde weiter zunehmen. Der Rest der Welt kann also nur hoffen, dass die Chinesen nicht einknicken, aber klug genug vorgehen, damit Trump das Gesicht wahren kann, kleinere Erfolge im Handelspoker verbuchen kann – und die protektionistische Abwärtsspirale durch die derzeit laufenden Verhandlungen in Washington doch irgendwie aufgehalten werden kann.