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WikiLeaks half Russland wohl wissentlich bei Beeinflussung der US-Wahl

Bericht des US-Senats : WikiLeaks half Russland wohl wissentlich bei Beeinflussung der US-Wahl

Hat Russland versucht, Trump bei der US-Wahl 2016 zum Sieg zu verhelfen? Das untersucht ein Ausschuss des US-Senats seit drei Jahren. Nun erhebt er Vorwürfe gegen Wikileaks - und gegen den US-Präsidenten.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks spielte einem US-Bericht zufolge eine Schlüsselrolle bei einem Versuch Russlands, die US-Präsidentenwahl 2016 zu beeinflussen. Wikileaks dürfte dabei klar gewesen sein, dass sie dem russischen Geheimdienst half, hieß es in am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen einer Ermittlung eines Geheimdienst-Ausschusses im Senat. Demnach leitete Russlands Präsident Wladimir Putin selbst die Bemühungen, in Computer und Netzwerke der US-Demokraten einzudringen und daraus Informationen zu veröffentlichen, die schädlich für ihre Kandidatin Hillary Clinton seien.

WikiLeaks hatte in den Wochen vor der Abstimmung 2016 Tausende gestohlene E-Mails aus Clintons Wahlkampfteam veröffentlicht, was eine negative Berichterstattung über die Demokratin zur Folge hatte. Der Gründer der Plattform, Julian Assange, sitzt in Großbritannien in Haft. Ein Verfahren über eine Auslieferung an die USA soll im September fortgesetzt werden. Assange soll seinem Anwalt zufolge von Trump Straffreiheit angeboten bekommen haben im Gegenzug für eine Aussage, dass die Veröffentlichung der Dokumente in keinem Zusammenhang mit Russland stehe. Die US-Regierung wies diese Darstellung als Lüge zurück.

Der Geheimdienstausschuss im US-Senat untersucht seit rund drei Jahren Vorwürfe, Russland habe während der Wahl versucht, Trump gegen Clinton zu unterstützen. Die am Dienstag vorgestellten Ergebnisse sind das fünfte und letzte Kapitel des entsprechenden Berichts. In früheren Kapiteln schloss sich der Ausschuss den Vorwürfen der US-Geheimdienste einer russischen Einflussnahme an. Russland hat dies zurückgewiesen, wie auch Trump jedes Fehlverhalten bestreitet.

Der aktuelle Bericht des Ausschusses bekräftigte jedoch schwere Vorwürfe gegen das Wahlkampfteam des damaligen Präsidentschaftskandidaten. Das Trump-Team habe Kontakte mit russischen Geheimdienstleuten gehabt, die eine ernsthafte Gefahr für die US-Spionageabwehr dargestellt hätten, heißt es in dem Bericht.

Auf fast 1000 Seiten wird dargelegt, wie Russland nach Erkenntnissen des republikanisch geführten Ausschusses die US-Wahl 2016 zugunsten von Trump beeinflussen wollte. Über die Frage, ob Trump oder sein Team wissentlich mit Russland konspirierten, um dieses Ziel zu erreichen, gab der Ausschuss keine Einschätzung ab.

Der Bericht verweist unter anderem auf die engen und mannigfaltigen Kontakte zwischen Trumps damaligen Wahlkampfchef Paul Manafort und Konstantin Kilimnik, der nach Auffassung des Ausschusses als russischer Spion arbeitete. Manafort habe Kilimnik interne Umfragedaten zugespielt und es gebe Hinweise, dass er mit dem russischen Hackerangriff auf die Demokraten in Verbindung gestanden habe, bei dem interne Mails des Wahlkampfchefs der Trump-Rivalin Hillary Clinton und der Demokratischen Partei an die Öffentlichkeit gelangt waren. Verweise auf Manaforts mögliche Verwicklung in die Hacker-Attacken sind in dem Dokument allerdings geschwärzt.

Manafort war im Zuge der Untersuchung von Russland-Sonderermittler Robert Mueller angeklagt worden, aber nicht im Zusammenhang mit den Hacker-Angriffen. Manaforts Anwalt sagte in einer Reaktion, es gebe vertrauliche Informationen, die auch Mueller vorlagen, die die Darstellung des Senatsausschusses widerlegten.

Der Bericht nach einer mehr als dreijährigen Untersuchung sei die „bisher umfassendste Beschreibung von Russlands Aktivitäten und der Bedrohung, die sie darstellen“, heißt es in dem Bericht. Er deckt sich in den meisten Punkten mit den Erkenntnissen der davon unabhängigen Mueller-Ermittlungen. Zwei weitere Untersuchungen von Senatsausschüssen laufen noch, allerdings mit Fokus auf mögliche Pannen beim FBI.

Trump tritt am 3. November gegen den jetzigen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden an. Die US-Spionageabwehr hat vor massiven Einmischungen in die diesjährige Wahl gewarnt, unter anderem aus Russland.

(peng/Reuters/dpa)