Wiesenthal-Zentrum: Halle-Terror zählt zu schlimmsten antisemitischen Vorfällen weltweit

Wiesenthal-Zentrum zu Terror in Halle : Anschlag auf Synagoge zählt zu schlimmsten antisemitischen Vorfällen weltweit

Im Oktober drang in Halle ein Mann in eine Synagoge ein, um Menschen zu töten – am höchsten jüdischen Feiertag. Es war laut Simon-Wiesenthal-Zentrum mit der schlimmste antisemitische Vorfall in 2019. Auch die britische Labour-Partei spielt in der Auswertung eine gravierende Rolle.

Niemand als die britische Arbeiterpartei mit ihrem Vorsitzenden Jeremy Corbyn habe mehr dafür getan, Antisemitismus im Mainstream zu etablieren, erklärte das Simon-Wiesenthal-Zentrum zu seiner am Mittwoch veröffentlichten Liste. Auszüge daraus waren in den vergangenen Tagen bereits durch verschiedene Medien publik gemacht worden.

Corbyn macht sich seit Langem für die Interessen der Palästinenser stark - einseitig, wie Kritiker finden. Zudem wird ihm vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen antisemitische Auswüchse bei Labour vorzugehen.

Der Anschlag von Halle wurde von der jüdischen Menschenrechtsorganisation neben anderen antisemitischen Angriffen in den USA auf Platz zwei gesetzt. „Trotz zunehmender antisemitischer Taten versäumten es die deutschen Behörden, Sicherheitsleute draußen an der Synagoge während der Feierlichkeiten zu Jom Kippur aufzustellen“, hieß es dazu. Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag.

Am 9. Oktober, also an Jom Kippur, hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Als der Angreifer scheiterte, erschoss er in der Nähe zwei Unbeteiligte. Auf der Flucht verletzte der Täter ein Paar schwer, bevor er festgenommen wurde. Der zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alte Deutsche hat den Anschlag gestanden und rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt.

Kurz nach der Tat wurde unter anderem Kritik laut, weil die Polizei trotz des jüdischen Feiertags nicht an der Synagoge postiert war. Anfang Dezember hat deshalb ein Untersuchungsausschuss im Magdeburger Landtag die Arbeit aufgenommen. Dort sollen auch die Sicherheitsvorkehrungen und Einsatzkonzepte im Land auf den Prüfstand gestellt werden.

Auf Platz fünf der Rangliste landeten die für Kritik an der israelischen Regierungspolitik bekannten US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar, die ersten Musliminnen im Parlament. Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass das Wiesenthal-Zentrum den deutschen UN-Botschafter Christoph Heusgen auf Platz sieben gesetzt hatte - mit Verweis auf das angeblich israelfeindliche Abstimmungsverhalten Deutschlands bei den Vereinten Nationen sowie eine Aussage des 64-Jährigen vor dem UN-Sicherheitsrat im März. Heusgen hatte damals gesagt: „Wir glauben, dass das internationale Recht am besten geeignet ist, Zivilisten zu schützen, damit sie in Frieden und Sicherheit leben können, damit sie ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen leben können.“

Der stellvertretende Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Abraham Cooper, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist besorgniserregend, wenn ein „Freund“ Israels ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, den jüdischen Staat auf der wichtigsten Bühne für Menschenrechte - den Vereinten Nationen - zu verdreschen.“ Dies sei keine gute Führung und habe mit Freundschaft nichts zu tun.

Heusgens Nennung in der Rangliste stieß auf deutliche Kritik. Zum einen, weil die Weisungen zu UN-Abstimmungen vom Auswärtigen Amt aus Berlin kommen. In der beanstandeten Rede wurde das Zitat zudem ohne Kontext wiedergegeben. In der Sitzung ging es um die Einhaltung der Resolution 2334, die den Stopp der Errichtung israelischer Siedlungen wie auch terroristischer Angriffe auf Zivilisten unter anderem in Israel fordert. Heusgen beleuchtete beide Seiten. Das Auswärtige Amt schickte eine Protestnote an das Wiesenthal-Zentrum. Der israelische Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, nahm Heusgen in Schutz und nannte die Vorwürfe „völlig unangebracht“.

Auf der Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums tauchen immer wieder Prominente auf. So wurde der Rockstar Roger Waters (früher bei Pink Floyd) im vergangenen Jahr auf Platz zehn gesetzt.

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(hebu/dpa)