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Nach UN-Resolution: Wieder 20 Tote bei Kämpfen im Jemen

Nach UN-Resolution : Wieder 20 Tote bei Kämpfen im Jemen

Sanaa (RPO). Kurz nach der Verabschiedung der UN-Resolution zum Jemen hat es am Samstag erneut blutige Kämpfe in dem Land gegeben. In der Hauptstadt Sanaa kamen nach übereinstimmenden Angaben vom Sonntag insgesamt 20 Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Ali Abdallah Saleh ums Leben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte, das Land gleite "mehr und mehr ins Chaos" ab.

Bei den Kämpfen in Sanaa wurden nach offiziellen Angaben am Samstag fünf Soldaten der Regierungstruppen getötet und etwa 50 weitere verletzt. Zudem seien drei Zivilisten ums Leben gekommen. Eine abtrünnige Einheit, die sich der Protestbewegung angeschlossen hatte, sprach ebenfalls von fünf getöteten Soldaten in den eigenen Reihen.

Zudem wurden nach Angaben von Stammesangehörigen und Ärzten sechs Kämpfer von Scheich Sadek el Ahmar getötet, der sich ebenfalls von Saleh abgewendet hatte. Dutzende weitere seien verletzt worden. Auch ein Mitarbeiter des privaten Fernsehsenders Saida kam bei den Kämpfen ums Leben, wie der Sender mitteilte.

In der südöstlichen Stadt Taes wurden Aktivisten zufolge drei Menschen bei ähnlichen Auseinandersetzungen verletzt. In Sanaa gab es am Sonntag zunächst keine Kämpfe, die Lage blieb aber angespannt, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Der abtrünnige General Ali Mohsen el Ahmar warf Saleh vor, persönlich die Angriffe auf die Soldaten und die Stammesangehörigen angeordnet zu haben und forderte die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten auf.

Bereits am späten Freitag verurteilte der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution die Gewalt im Jemen und rief Staatschef Saleh zum Machtverzicht auf. Die 15 Mitglieder verabschiedeten die Resolution, in der sie den "sofortigen" Beginn des politischen Übergangsprozesses forderten, einstimmig.

Saleh wird darin "ermutigt", eine vom Golfkooperationsrat ausgearbeitete Vereinbarung zum Machtverzicht zu unterschreiben. Der seit 33 Jahren regierende Präsident stimmte dem Abkommen in der jüngeren Vergangenheit zwar grundsätzlich zu, verweigerte aber immer wieder seine Unterschrift.

Westerwelle erklärte am Samstag in Berlin, die UN-Resolution sei ein "klares Signal des Sicherheitsrates an die politisch Verantwortlichen im Jemen, endlich die Gewalt zu beenden". Chaotische Zustände seien weder im Interesse der Menschen im Jemen noch der internationalen Gemeinschaft. Der einzige Ausweg sei ein geordneter politischer Übergang.

Die Demonstrationen gegen Saleh hatten Ende Januar begonnen. Bei der blutigen Niederschlagung der Proteste wurden nach Angaben der jemenitischen Opposition bereits mehr als 860 Menschen getötet.

(AFP/felt)