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Wie Marine Le Pen und Marion Maréchal um Le Pens Erbe kämpfen

Frankreich : Zwei Frauen kämpfen um Le Pens politisches Erbe

Jean-Marie Le Pen, der Gründer des rechtsextremen Front National in Frankreich, ist 90 Jahre alt geworden. Seine Tochter und seine Enkelin geben seine nationalistischen Ideen weiter – jede auf ihre Art.

Die Tatsache, dass Marine Le Pen ihren Vater im Krankenhaus besuchte, war den französischen Medien vor einer Woche durchaus eine Nachricht wert. Denn seit dem Bruch zwischen Jean-Marie Le Pen und seiner jüngsten Tochter wird jede Geste zwischen den beiden genau beobachtet. Ebenso wie das Verhältnis der Parteichefin zu ihrer Nichte Marion. Die beiden Frauen sind die politischen Erbinnen des Gründers des rechtsextremen Front National (FN). Vergangene Woche wurde Le Pen 90 Jahre alt.

Marine Le Pen ist die Chefin der Partei, die sich in Abkehr vom Patriarchen in „Rassemblement National“ („Nationaler Zusammenschluss“) umbenannt hat. Und Marion Maréchal ist der Nachwuchsstar, der mit einer neuen Politik-Hochschule Frankreichs Ultrarechte um sich scharen will. Zwei unterschiedliche Ansätze und ein Ziel: die Macht.

Marine Le Pen musste im vergangenen Jahr allerdings erleben, dass sie dabei an eine gläserne Decke stößt. Die Juristin kam in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Emmanuel Macron auf 33 Prozent und schaffte damit für den FN das beste Ergebnis seiner Geschichte. Dennoch blieb die Juristin hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Vor allem, weil Macron die Parteichefin in der Fernsehdebatte regelrecht vorführte.

Noch immer scheint sich die 49-Jährige, die in ihren Auftritten müde wirkt, nicht von der Schmach erholt zu haben. „Marine Le Pen war der größte Trumpf des FN, und einige fragen sich, ob sie nicht das größte Problem geworden ist“, analysiert der Politologe Sylvain Crépon im Magazin „Le Point“. Die 49-Jährige scheint selbst an sich zu zweifeln: „Wenn die Anhänger des Front National finden, dass jemand anderer besser platziert ist als ich, dann habe ich damit kein Problem.“

Dieser Jemand könnte ihre Nichte Marion sein. Die 28-Jährige, die sich im vergangenen Jahr offiziell aus der Politik zurückzog, bereitet hinter den Kulissen eine Allianz der rechten Kräfte vor. Am Freitag eröffnete sie in Lyon eine Politik-Hochschule, die rechtspopulistische und ultrakonservative Kräfte unter einem Dach vereinen soll. „Eine Art Fa­scho-Business-School“, spottete die linke Zeitung „Libération“. Die frühere Abgeordnete Maréchal hatte bereits dem Chef der konservativen Republikaner, Laurent Wauquiez, die Hand hingestreckt. „Er gehört zu jenen, dessen Äußerungen den Eindruck erwecken, dass wir uns etwas zu sagen hätten“, sagte sie im vergangenen Jahr. Bisher widersteht Wauquiez dem Angebot und versucht stattdessen mit seinem strammen Rechtskurs, dem FN Wähler abzujagen.

Le Pens Enkelin sucht auch im Ausland nach Verbündeten. So hielt sie im Februar vor einem erzkonservativen Publikum in den Vereinigten Staaten eine Rede, direkt nach US-Vizepräsident Mike Pence. Für ihre Ambitionen sagte sich die junge Frau, die vor allem in Fragen der Einwanderung noch radikaler ist als ihre Tante, von der Familie los. Sie verzichtete auf das Le Pen im Nachnamen und nennt sich nur noch Marion Maréchal. Damit will sie sich wohl auch von den Affären abgrenzen, die den Namen Le Pen begleiten. Zuletzt machte Marine Le Pen mit der Scheinbeschäftigung von Assistenten im Europaparlament von sich reden. Ein EU-Gericht entschied, dass sie deshalb knapp 300.000 Euro an das Europaparlament zurückzahlen muss.

„Die Le Pens wenden sich von Jean-Marie Le Pen ab. Als ob sie sich bewusst würden, dass er die verfluchte Seite in ihnen selbst verkörpert“, schreibt das Magazin „Express“. Marion Maréchal vollzieht die späte Trennung von ihrem antisemitischen und rassistischen Großvater mit Kalkül. Sie will ohne die Last des Namens eine politische Karriere beginnen, die sie ganz nach oben bringen soll.

Das, was ihr Großvater 2002 und ihre Tante 2017 nicht schafften – französischer Präsident, französische Präsidentin zu werden –, soll die nächste Generation erreichen. Die Umfragen sind gut für die Juristin: 34 Prozent der  Franzosen halten sie laut einer Eiabe-Umfrage für die beste Kandidatin des ehemaligen FN 2022. Nur 17 Prozent halten Marine Le Pen für die Bessere.