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Westjordanland: Israelisches Militär tötet fünf militante Palästinenser bei Razzien

Westjordanland : Israelisches Militär tötet fünf militante Palästinenser bei Razzien

Im Westjordanland sind bei mehreren Schusswechseln mit israelischen Sicherheitskräften mindestens fünf militante Palästinenser getötet worden. Zu den Auseinandersetzungen ist es in der Nacht zum Sonntag bei Razzien gegen die radikalislamische Hamas gekommen.

Das teilte Israels Militär mit. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium wurden zwei Palästinenser nahe der Stadt Dschenin im Norden des Westjordanlands erschossen, drei weitere im nördlich von Jerusalem gelegenen Biddu.

Die amtliche palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, einer der Männer sei 22 Jahre alt gewesen. Er sei getötet worden, als es bei einer Festnahme in dem Dorf Burkin bei Dschenin zu Zusammenstößen gekommen sei. Das israelische Militär teilte mit, ein Beamter und ein Soldat hätten dort schwere Verletzungen erlitten. Sie seien zu einem Krankenhaus geflogen worden.

Israels Ministerpräsident Naftali Bennett erklärte, Sicherheitskräfte seien in dem Gebiet gegen Hamas-Mitglieder vorgegangen, „die in sehr naher Zukunft Terroranschläge hätten verüben“ wollen. Die Soldaten hätten so gehandelt, wie man es „von ihnen erwartet“ habe. Sie hätten die volle Rückendeckung der Regierung. Armeesprecher Amnon Schefler ergänzte, die Razzia hätten die Truppen in Zusammenarbeit mit dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet und der Grenzschutzpolizei ausgeführt. Als sie Festnahmen im Westjordanland vorgenommen hätten, seien sie beschossen worden.

Es war die tödlichste Konfrontation zwischen israelischen Truppen und militanten Palästinensern in dem Gebiet seit Wochen. Nach dem elf Tage langen Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen im Mai haben sich die Spannungen in der Region zuletzt verschärft.

Die Hamas bezeichnete die getöteten Palästinenser in einer Reaktion auf die jüngsten Razzien als „heldenhafte Märtyrer“. Bei jenen, die in Biddu umgekommen seien, handele es sich um Mitglieder ihres bewaffneten Flügels, erklärte die radikalislamische Gruppe.

Deren Sprecher Abdulatif al-Kanu machte für die Gewalteskalation die mit der Hamas rivalisierende Palästinensische Autonomiebehörde verantwortlich, die eine beschränkte Kontrolle über Gebiete des Westjordanlands hat. Jüngste Treffen zwischen dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und israelischen Regierungsvertretern hätten zu einem neuen Anlauf für den Widerstand ermutigt. Die Hamas rief Anhänger auf, „Taktiken und Mittel“ zu finden, „die dem Feind schaden und ihn mit allen möglichen Formen des Widerstands austrocknen“.

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Die Palästinensische Autonomiebehörde lässt ihre Sicherheitskräfte Absprachen mit Israel treffen, um die Hamas und andere militante Gruppen auszubremsen. Man verurteile die jüngsten Tötungen, erklärte die Autonomiebehörde. Sie mache die israelische Regierung „voll und direkt für diesen blutigen Morgen und die von den Besatzungstruppen verübten Verbrechen verantwortlich“.

Im August war es bei einer nächtlichen Razzia durch israelische Truppen in Dschenin zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der vier Palästinenser getötet wurden. Überhaupt hat die Gewalt im Westjordanland in den vergangenen Wochen zugenommen. Mehr als zwei Dutzend Palästinenser kamen bei vereinzelten Zusammenstößen mit israelischen Truppen und während Protesten um. Erst kürzlich fassten die israelischen Behörden zudem sechs Palästinenser, die durch einen Tunnel aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen waren. Mehr als eine Woche waren sie auf der Flucht gewesen.

(felt/dpa)