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Machtwechsel in Paris: Was wird eigentlich aus Sarkozy und Bruni?

Machtwechsel in Paris : Was wird eigentlich aus Sarkozy und Bruni?

François Hollande und Valérie Trierweiler haben Nicolas Sarkozy und Carla Bruni im Elysée-Palast abgelöst. Ganz Frankreich rätselt nun, was aus dem scheidenden Präsidenten und seiner First Lady wird. Dabei wird auch darüber spekuliert, ob Bruni an der Seite ihres Mannes bleibt.

"Que Vais-Je Faire?" So könnte das nächste Lied von Carla Bruni-Sarkozy heißen. Es könnte die Frage besingen, die die Chansonnette derzeit umtreibt: "Was werde ich tun?" Von ihrem Leben als Frankreichs Première Dame muss sich die Franko-Italienerin jedenfalls verabschieden. Mit der Abwahl ihres Präsidenten-Gatten Nicolas Sarkozy (57) geht auch für die 44-Jährige die Zeit im Elysée-Palast in Paris zu Ende.

Als Sarkozy am Sonntagabend vor verzweifelten, zum Teil weinenden Anhängern in Paris seine Niederlage eingestand, wusste auch Carla Bruni, dass ihre Vita jetzt eine neue Wendung nehmen würde. Sie stand ganz vorne im Publikum und wischte eine Träne weg, als der in der Stichwahl unterlegene Präsident vieldeutig erklärte: "Nach 35 Jahren in der Politik wird mein Platz nicht mehr derselbe sein." Er werde nun wieder ein "Franzose unter Franzosen".

Ganz Frankreich rätselt seitdem über die genaue Bedeutung dieser Worte und darüber, was aus dem hibbeligen Tausendsassa, Sohn eines ungarischen Einwanderers und einer Französin mit griechischen Wurzeln, und der Glamour-Frau an seiner Seite werden soll. Die beiden hatten am 2. Februar 2008 geheiratet, am 19. Oktober 2011 war Tochter Giulia zur Welt gekommen.

"Es wird nicht leicht"

Wird sich Sarkozy nun wirklich aus der Politik zurückziehen, ausgerechnet er, der bereits mit 28 Jahren als Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly begonnen und seitdem eine steile Karriere hingelegt hatte?

Und wie soll Carla jemanden, der bisher nur für die Politik gelebt hatte, bei Laune halten? "Es wird nicht leicht für Nicolas, von 100 Prozent auf null zurückzuschalten. Schon als junger Politiker hielt er es im Urlaub nicht aus und wurde schon nach zwei Tagen unruhig", wird ein Parteifreund zitiert, der Mühe hat mit der Vorstellung, Sarkozy könnte in einem neuen Beruf aufgehen. Vielfach wurde gemunkelt, Sarkozy könne versuchen, einen lukrativen Job in der Wirtschaft anzunehmen, nach dem Vorbild von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Immerhin ist der scheidende "Bling-Bling-Präsident" für seinen Hang zum Luxus bekannt. Er wolle nach dem Ende seiner Präsidentschaft "richtig Geld machen", hatte er noch als Staatschef wiederholt gesagt.

Problematisch erscheint indes, dass Nicolas Sarkozy nicht richtig Englisch spricht. Eine internationale Karriere dürfte daher schwierig werden. Vieles spricht daher dafür, dass der 57-Jährige in seinen Anwaltsberuf zurückkehren wird. Dies deutete auch sein Kommunikationschef Franck Louvrier an. Immerhin hatte Sarkozy als junger Mann eine Wirtschaftskanzlei. Seine Berater suchen angeblich bereits nach geeigneten Büro-Räumen in der Hauptstadt Paris.

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In irgendeiner Form müsse der scheidende Staatschef ja auch Geld verdienen, merkte der Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit neulich im Fernsehen an. "Er hat ein Problem mit Carla, sie hat mehr als er", sagte er mit Blick auf die aus einer reichen Familie stammende Bruni.

Wetten auf Bestand der Ehe

Auch deren Zukunft ist ungewiss. Was kann für eine noch kommen, die bereits alle Glamour-Stationen durchgemacht hat, von Top-Model über Chanson-Sängerin und Gelegenheitsschauspielerin bis hin zur Promi-Muse und Präsidenten-Gattin? Schon kursieren die ersten Scherzwetten darüber, wie lange sie es bei dem abgewählten Sarkozy wohl aushalten werde — sie, die Monogamie einmal "langweilig" fand und der von Mick Jagger bis Eric Clapton eine Reihe prominenter Liebhaber nachgesagt werden.

Seit der Hochzeit mit Nicolas Sarkozy bemüht sich Carla Bruni indes entschieden, ihr "Femme fatale"-Image abzuschütteln, und gibt die fürsorgende Gattin und Mutter, die am liebsten zu Hause Videos schaut, Musik hört und liest. Zwar tun sich die Franzosen noch immer schwer, ihr diese Wandlung abzunehmen. Doch vor allem seit der Geburt von Töchterchen Giulia wirkt Bruni auch optisch verändert. Sie, die früher im Chanel und Dior-Look glänzte, fällt neuerdings durch ostentativen Schlabberlook auf. Auch schminkt sie sich kaum mehr.

Sie möchte endlich "wie jedermann leben", vertraute Carla Bruni der Zeitung "Le Figaro" an. Vor allem wolle sie, dass "ihr Nicolas sich endlich ausruht", und mehr Zeit mit ihm verbringen. Damit steht wohl erst einmal ein gemeinsamer Familien-Urlaub an — wahrscheinlich in ihrer Villa an der Côte d'Azur — und im Herbst ein neues Album. Dieses hatte die Sängerin wegen der Wiederwahlpläne ihres Gatten verschieben müssen. Schließlich bangte der Elysée-Palast, dass allzu kühn dahingehauchte Texte zu diplomatischen Verstimmungen führen könnten. Nun hat die Chanson-Sängerin ihre künstlerische Freiheit zurück.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni in der Menge

(RP/jre/csr)