1. Politik
  2. Ausland

Fragen und Antworten zur Lage am Nil: Was Ägypten-Reisende jetzt wissen müssen

Fragen und Antworten zur Lage am Nil : Was Ägypten-Reisende jetzt wissen müssen

Immer neue Auseinandersetzungen in Kairo, etliche Tote, jetzt Notstand und Ausgangssperre: Ägypten steckt in einer tiefen politischen Krise. Das nordafrikanische Land ist gleichzeitig jedoch eines der wichtigsten Urlaubsziele der Deutschen - gerade in der anstehenden Wintersaison. Nun gab es das erste Todesopfer in Hurghada. Was Reisende jetzt wissen müssen:

Wie schätzt das Auswärtige Amt die Lage ein?

Das Auswärtige Amt rät derzeit dringend von Reisen in große Teile des Landes ab. Das gilt auch für die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor und Assuan) sowie für Kreuzfahrten auf dem Nil. Nicht betroffen davon sind die Urlaubsregionen am Roten Meer auf der Festlandseite Ägyptens und auf dem Sinai im Küstenstreifen zwischen Scharm el Scheich und Nuweiba. Da die Auswirkungen der Unruhen in anderen Teilen des Landes nicht absehbar seien, sollten Reisende aber auch dort besondere Vorsicht walten lassen und die Medienberichterstattung verfolgen. Unbedenklich ist laut Auswärtigem Amt ein Transitaufenthalt am Flughafen Kairo. Dieser funktioniere normal und sei gut gesichert.

Für die anderen Teile von Kairo sei zu befürchten, dass sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert. Im ganzen Land ist laut Auswärtigem Amt weiterhin mit Demonstrationen und Einsätzen der Sicherheitskräfte zu rechnen, die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen können. Die Lage bleibe im Moment sehr unübersichtlich.

Die USA haben ihre Bürger unterdessen zum Verlassen Ägyptens aufgerufen. Das teilte das US-Außenministerium in einer Reisewarnung am Donnerstag in Washington mit.

Auch mehrere skandinavische Reiseveranstalter entschieden, ihre Urlauber aus dem Land zurückzuholen. Das meldete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau am Donnerstagabend. Betroffen seien mehrere hundert Dänen, Norweger und Schweden. Die Reiseveranstalter Star Tour, Ving, Apollo und Spies wollten ihre Gäste bis spätestens Montag wieder nach Hause holen. Künftige Reisen nach Ägypten würden bis Anfang Oktober eingestellt.

Hat der Ausnahmezustand Auswirkungen auf die Touristen?

Teil des Ausnahmezustands ist eine nächtliche Ausgangssperre. Diese gilt dem Auswärtigem Amt zufolge jedoch nicht für die Urlaubsorte auf der Festlandseite des Roten Meeres. Betroffen ist davon auch die Provinz Süd-Sinai. Die Regierung beschloss am Donnerstag eine Ausnahme: Die Ausgangssperre in der Provinz gilt nicht für den Badeort Scharm el Scheich. Das entschied das Kabinett nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo.

Am Donnerstag gab es den ersten Bericht von Zusammenstößen in Hurghada. Dabei kam nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Mensch ums Leben. Die Reiseveranstalter argumentieren jedoch, dass die Situation für Touristen am Roten Meer unverändert ruhig sei. Ein Reiseleiter von Tui in Hurghada berichtet, dass zwar alle Hotels und Airlines vor Ort normal arbeiten. Die Anfragen besorgter Kunden, die ihre Reise noch vor sich haben, hätten aber deutlich zugenommen.

Welche Rechte habe ich, wenn ich eine Ägyptenreise gebucht habe?

Laut dem Reiserechtler Paul Degott aus Hannover müssen Touristen nicht mit Stornierungskosten rechnen, wenn sie jetzt eine Reise nach Ägypten - egal in welchen Teil des Landes - absagen möchten. "In so einer Situation kann man niemandem mehr zumuten, dass er noch in Ägypten Urlaub macht. Ein flächendeckender Notstand heißt: Es kann alles zusammenbrechen, es ist gefährlich."

Das gilt nach Degotts Einschätzung zunächst nur ungefähr für die kommenden zwei Wochen. Je weiter der Abreisetermin in der Zukunft liegt, desto weniger sicher ist, dass Touristen keine Stornierungskosten tragen müssen. "Denn entscheidend ist die Situation heute, und zwar nicht subjektiv nach Angstgefühl, sondern objektiv", sagt Degott. Im Moment sei die Situation auch objektiv gefährlich. Stornieren Urlauber jetzt schon Reisen, die erst Mitte oder Ende September beginnen sollten, müssten sie unter Umständen damit rechnen, dass sie die Kosten selber tragen müssen.

Wie reagieren die Reiseveranstalter?

Fast alle deutschen Reiseveranstalter bieten mittlerweile Urlaubern am Roten Meer kostenlose Umbuchungen an. Dazu gehört zum Beispiel Tui Deutschland. "Die Lage in den Baderegionen ist zwar nach wie vor ruhig, wir haben jedoch Verständnis für verunsicherte Kunden", sagte Sprecherin Anja Braun. Die Kulanzregelung gelte zunächst für Anreisen bis zum 22. August. Die Veranstalter von Thomas Cook bieten kostenloses Umbuchen für Anreisen bis zum 23. August an.

Auch Phoenix Reisen reagierte am Donnerstag. Der Veranstalter bietet bis 14. September kostenlose Stornierung für Scharm el Scheich an. Die Regelung gilt jedoch nicht für Hurghada. Alltours bietet Kunden für alle Abflüge bis einschließlich 29. August eine kostenlose Umbuchung zu anderen Zielen an. Daneben haben die Duisburger bis Sonntag alle Ausflüge abgesagt. Bei FTI können alle Kunden, die eine Reise mit den Zielflughafen Scharm el Scheich, Hurghada und Marsa Alam gebucht haben und diese bis zum 22. August nicht antreten wollen, kostenlos umbuchen.

Von Reisen nach Kairo und Oberägypten rät das Auswärtige Amt ohnehin dringend ab. Die Veranstalter bieten deshalb in diese Regionen derzeit entweder gar keine Reisen mehr an oder stornieren diese auf Wunsch kostenlos. FTI bietet kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen zunächst bis zum 15. September an, bei Nilkreuzfahrten bis zum 8. September. Thomas Cook/Neckermann haben Kairo und Luxor bis auf weiteres aus dem Programm genommen. Bei DER Touristik in Köln gilt die Regelung bis zum 15. September, bei Tui bis zum 26. August.

Kann ich noch eine Nilkreuzfahrt machen?

Auch von Nilkreuzfahrten rät das Auswärtige Amt dringend ab. Die meisten Veranstalter haben ihre Reisen abgesagt. Phoenix Reisen hat alle Flusskreuzfahrten auf dem Nil bis zum 14. September gestrichen.
Auch Schauinsland Reisen bietet bis auf weiteres keine Fahrten an.
Nicko Tours hat sich mit seinem Schiff vollständig aus Ägypten zurückgezogen. Die Saison für Nilkreuzfahrten sollte eigentlich im August beginnen und bis Dezember dauern. Der Veranstalter sagte die Touren ab und hat Ägypten auch im kommenden Jahr nicht im Programm.

Auf was müssen sich die Hochseekreuzfahrer einstellen?

Im Herbst und kommenden Winter wird es so gut wie keine Anläufe von Hochseekreuzfahrtschiffen in Ägypten geben. So haben zum Beispiel die Reedereien MSC Kreuzfahrten, Aida Cruises, Costa, Holland America Line, Seabourne sämtliche Fahrten im Roten Meer auf andere Ziele umgeroutet, Stopps an den ägyptischen Mittelmeerhäfen fallen aus.

Der UN-Sicherheitsrat wird nach Diplomatenangaben noch am Donnerstagnachmittag (23.30 Uhr MESZ) zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammentreten. Zuvor hatten Frankreich, Großbritannien und Australien laut Diplomatenkreisen eine solche Sondersitzung der 15 Mitgliedstaaten beantragt

(dpa)