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Warum der Prozess gegen Paul Manafort so brisant ist

Russland-Affäre : Trumps Ex-Wahlkampfmanager steht vor Gericht

Paul Manafort soll Steuern hinterzogen haben. Politisch höchst brisant ist sein Prozess aber wegen der Kontakte des Trump-Teams nach Russland.

Paul Manafort war einmal, gut drei Monate lang, der Wahlkampfmanager des Kandidaten Donald Trump. Seit Juni sitzt er hinter Gittern, nachdem er versucht haben soll, Zeugen zu beeinflussen. Ab Dienstag muss er sich vor einem Richter verantworten, und angesichts der Brisanz des Falles ist schon jetzt klar, dass das Interesse riesig sein wird. In den Fokus rückt ein eher unauffälliger Gerichtssaal in Alexandria bei Washington. Dort geht es um weit mehr als um Geldwäsche und Steuerhinterziehung, die Delikte, die dem 69 Jahre alten Angeklagten zur Last gelegt werden.

Der Mann, der so viele Belege gegen Manafort sammelte, dass es für eine Anklage reichte, ist Robert Mueller, seit über einem Jahr Sonderermittler der Russlandaffäre. Trump wirft ihm vor, ein Werkzeug in den Händen der Demokraten zu sein, ein Instrument, dessen sich der politische Gegner bedient, um zur Hexenjagd gegen ihn zu blasen.

Ginge es nach dem Präsidenten, hätte Mueller seine Arbeit längst einstellen müssen, während die Opposition den ehemaligen FBI-Direktor auf gutem Weg zu handfesten Ergebnissen sieht. In diesem Konfliktfeld ist der Prozess gegen Manafort so etwas wie ein Lackmustest. Wird Trumps einstiger Adlatus für schuldig befunden, dürfte sich Muel­ler bestätigt sehen; seine Position wäre gestärkt. Ein Freispruch dagegen wäre Wasser auf die Mühlen des Weißen Hauses: Es würde noch weit energischer darauf dringen, sowohl die Russland-Akte als auch das Büro des Sonderermittlers zu schließen.

Was zunächst verhandelt wird, ist Manaforts Gier. Es begann mit Kontakten zu zwei Oligarchen, dem Russen Oleg Deripaska und dem Ukrainer Rinat Achmetow. Letzterer bat den Amerikaner, Lobbyarbeit für Wiktor Janukowitsch zu leisten, einen prorussischen Politiker, der in Kiew nach der Macht strebte und 2010 Präsident wurde, ehe er 2014 nach Russland floh. Die Honorare, die der Berater in Diensten Janukowitschs kassierte, parkte er auf Zypern, in der Karibik, auf den Seychellen. Von dort floss das Geld in die USA, wo Manafort Immobilien erwarb, schwere Geländewagen und wertvolle Teppiche. Da er versäumte, die im Ausland gebunkerten Millionen zu versteuern, drohen ihm um die 30 Jahre Haft.

Politisch relevanter ist die Frage, ob die Spur zu Trump führt. Nicht dass der Präsident in Manaforts finanzielle Machenschaften verwickelt wäre, das behauptet niemand. Zur Debatte steht ein Treffen mit der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja, anberaumt im Juni 2016, nachdem dubiose Mittelsmänner „Dreck“ für die Schlammschlacht gegen Hillary Clinton versprochen hatten, Munition aus russischen Quellen. Manafort saß neben Trumps ältestem Sohn Donald junior und dem Schwiegersohn Jared Kushner an einem Beratungstisch im New Yorker Trump Tower, um von Weselnizkaja Konkretes zu erfahren. Von Trump war die Begegnung stets als Alleingang seiner Leute dargestellt worden.

Manafort wiederum wird schon deshalb Farbe bekennen müssen, weil sich die Anzeichen häufen, dass zwischen Wahrheit und Spin eine breite Kluft klafft. Er könne bezeugen, sagt Michael Cohen, der langjährige Rechtsanwalt des Präsidenten, dass Trump sehr wohl im Bilde war, als sich das Trio um Donald junior mit der russischen Juristin verabredete. So jedenfalls berichtete es der Sender CNN, mit dem Zusatz, Trump habe vorab von dem Angebot aus Moskau erfahren, Kompromittierendes gegen Clinton zu liefern.

Nach Cohens Darstellung gab Präsidentschaftskandidat Trump höchstpersönlich grünes Licht für das Gespräch. Bewahrheitet sich diese Version, wäre es das bislang eindeutigste Indiz dafür, dass der Kandidat eben doch bereit war, zum Schaden Clintons mit Russland zu kooperieren. Foto: AP