Warschau: Umstrittenes Abtreibungsverbot im polnischen Parlament

Proteste in Warschau: Umstrittenes Abtreibungsverbot im polnischen Parlament

Begleitet von Protesten haben polnische Abgeordnete am Donnerstagabend über eine umstrittene Verschärfung des Abtreibungsrechts beraten.

Erstmals wurden Gesetzesentwürfe zweier gegensätzlicher Bürgerinitiativen im Warschauer Sejm verlesen. Das Projekt "Stop Aborcji" ("Stoppt Abtreibungen) will Schwangerschaftsabbrüche in dem katholisch geprägten Land komplett verbieten. Zudem fordern die Abtreibungsgegner Haftstrafen für Ärzte und Frauen.

Zur Debatte stand auch ein Gesetzentwurf der Gegenbewegung "Ratujmy Kobiety" ("Lasst uns die Frauen retten"). Die Initiative will das derzeit geltende Recht liberalisieren, das als eines der strengsten Europas gilt. Polinnen können nur abtreiben, wenn sie vergewaltigt wurden, das Leben der Mutter in Gefahr ist oder das Kind eine schwere Behinderung hat.

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Regierungschefin Beata Szydlo hatte sich im Vorfeld für ein Abtreibungsverbot ausgesprochen; Abgeordnete ihrer PiS-Partei kritisierten im Sejm aber die geforderte Gefängnisstrafe für Frauen und verlangten eine Überarbeitung des Gesetzes. Mehrere Tausend Menschen protestierten vor dem Parlament gegen die mögliche Gesetzesverschärfung. Sie kritisieren, dass Frauen entmündigt würden und wollen verhindern, dass ihre Gesundheit durch illegale Abtreibungen gefährdet wird.

(lai/dpa)