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Wahl in der Ukraine: Hoffen auf ein wenig Stabilität

Am Sonntag wird ein neuer Präsident gewählt : Die Ukraine hofft auf ein wenig Stabilität

Drei Monate ist es her, dass die Ukrainer ihren Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt haben. Doch Stabilität ist noch lange nicht eingekehrt in dem Land. Tote, Proteste, Abspaltungsversuche, Drohungen von allen Seiten – das ist derzeit Alltag. Mit der Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag soll sich das ändern. Chancen werden vor allem zwei Kandidaten eingeräumt.

Drei Monate ist es her, dass die Ukrainer ihren Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt haben. Doch Stabilität ist noch lange nicht eingekehrt in dem Land. Tote, Proteste, Abspaltungsversuche, Drohungen von allen Seiten — das ist derzeit Alltag. Mit der Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag soll sich das ändern. Chancen werden vor allem zwei Kandidaten eingeräumt.

Bislang stand im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl auch eine Frage im Raum: Wie würde sich Russland nach dem Wahlgang verhalten. Zwei Tage vor der Wahl schließlich meldet sich Präsident Wladimir Putin zu Wort und versichert, dass er den Ausgang der Wahl am Sonntag respektieren würde. Ein wichtiger Schritt in den Beziehungen der beiden Länder, die in den vergangenen Wochen enorm abgekühlt war, auch wenn Putin nicht davon sprach, das Ergebnis anerkennen zu wollen.

Dennoch ist es keine gewöhnliche Wahl, die da am Sonntag im zweitgrößten Flächenland Europas abgehalten wird. Auf der Krim, die sich nach einem international nicht anerkannten Referendum vom Rest des Landes als abgespalten erklärt hatte, öffnet zum Beispiel nicht ein Wahllokal. Wer von den Krim-Bewohnern von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will, muss den Weg aufs Festland gehen. Doch gerade einmal 6000 der 1,8 Millionen Wahlberechtigten haben sich auf den Wahllisten eintragen lassen. Und auch in der Ostukraine ist fraglich, ob die Wahlen friedlich und ordentlich durchgeführt werden können angesichts der prorussischen Kräfte dort.

Der "Schoko-Zar"

Immerhin: Nach einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie und der Soziologischen Gruppe Rating, aus der die Friedrich-Naumann-Stiftung zitiert, gaben erst kürzlich 60 Prozent der Ukrainer an, auf jeden Fall wählen gehen zu wollen. Nur zwölf Prozent wollten definitiv nicht wählen. In den östlichen Gebieten um die Regionen Luganz und Donezk aber sieht das ein wenig anders aus. Dort wollen 48 Prozent der Bürger wählen gehen, 30,4 Prozent sagen schon jetzt, dass sie sich nicht an der Abstimmung beteiligen wollen.

Dennoch wird es am Ende einen neuen Mann oder eine neue Frau im Amt geben, die vor gewaltigen Herausforderungen steht. Doch die Skepsis der Ukrainer im Hinblick auf die Kandidaten ist skeptisch. So gilt Pjotr Poroschenko als Favorit auf das Präsidentenamt. Allerdings ist auch der Süßwarenunrternehmer, der auch "Schoko-Zar" genannt wird, nicht unumstritten. Viele Ukrainer, die den Oligarchen wählen wollen, sagen aber, dass er unter allen schlechten Varianten die beste Wahl sei.

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Proschenko gilt als ausgeglichen und kompromissbereit. Er gehörte zwar unterschiedlichen politischen Lagern an, doch zuletzt setzte er sich immer wieder als in die EU orientierter Demokrat in Szene. Auch die Bundeskanzlerin empfing ihn erst vor ein paar Tagen. Das machte auf viele Ukrainer, die die deutsche Stabilität schätzen, Eindruck. Und auch Russland scheint sich mit dem Unternehmer, der gute geschäftliche Beziehungen in das Land pflegt, eher als ukrainischen Präsidenten abfinden zu können als mit manch anderem der mehr als 20 Kandidaten.

Die "Gas-Prinzessin"

Eine davon ist auch Julia Timoschenko, die unter Janukowitsch wegen Vetternwirtschaft im Gefängnis sah. Die Proteste auf dem Maidan hat sie nicht live miterlebt, doch kaum aus der Haft entlassen, ließ sie sich auf den Unabhängigkeitsplatz in Kiew bringen und hielt eine Rede an die Demonstranten. Einst war sie die Ikone der Orangenen Revolution, doch ihr Stern ist inzwischen arg verblasst, zumal auch die "Gas-Prinzessin" bei den Ukrainern nicht unumstritten ist.

Dennoch sind es Timoschenko und Poroschenko, die wohl am Ende den Wahlausgang entscheidend mitbestimmen werden. Und ob die Ukraine am Sonntag wirklich schon einen neuen Präsidenten haben wird, das steht noch nicht fest. Denn sollte keiner der Kandidaten die nötigen 50 Prozent erhalten, dann heißt es wieder Warten für Politik und Volk. Denn dann wird es erst im Juni eine Stichwahl geben.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Sechs Kandidaten im Porträt

(das)