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Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il: Vom exzentrischen Playboy zum gefürchteten Führer

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il : Vom exzentrischen Playboy zum gefürchteten Führer

Seoul (rpo). Mit seinem aufgeplusterten Haar, blousonartigen Anzügen und Plateauschuhen macht der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il nicht gerade einen ernst zu nehmenden Eindruck. Von US-Präsident George W. Bush wurde der Chef des stalinistischen Staates wegen seiner Größe schon einmal als "Pygmäe" verspottet. Im Westen gilt Kim nur als exzentrisch. Doch Experten warnen dem "großen Führer", der mit mehreren Raketentests von sich reden machte. "Der wahre Kim ist politisch sehr geschickt", sagt der Nordkorea-Kenner Michael Breen.

Lange Jahre stand Kim Jong Il im Schatten seines Vaters, dem Gründer Nordkoreas Kim Il Sung. Der erste Sohn des in Nordkorea gottgleich Verehrten galt als exzentrischer Playboy mit einer Vorliebe für Hollywoodfilme. Als sein Vater noch lebte, soll er für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll Kim Jong Il das Bombenattentat auf die südkoreanische Regierung im Jahre 1983 in Rangun in Birma geplant haben, bei dem 17 Regierungsmitglieder getötet wurden. Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug 1987, bei dem 115 Menschen starben, wird er verantwortlich gemacht.

Als sein Vater 1994 starb und Kim Jong Il seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen. "Große Sonne der Nation" wurde er genannt, um seine Geburt eine Legende gestrickt. So soll er nach offizieller Darstellung am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Widerstandscamp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea geboren worden sein. Dort soll es in der Nacht der Geburt ungewöhnliche Himmelserscheinungen gegeben haben. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Trainingslager der 88. Aufklärungsbrigade der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, wo sein Vater diente.

Der Präsidentensohn, der seine Mutter im Alter von neun Jahren verlor, wurde zunächst als "Wirtschaftsexperte" in der DDR ausgebildet, bevor er 1964 ins Zentralkomitee in Pjöngjang aufgenommen wurde. 1973 wurde er Leiter der Propagandaabteilung der Partei. Zwischen 1977 und 1979 verschwand Kim unter mysteriösen Umständen von der politischen Bühne, doch 1980 machte ihn sein Vater zur "Nummer Zwei" in der Partei. Im August 1984 wurde er zum "alleinigen Nachfolger" bestimmt. Ohne je in der Armee gedient zu haben, wurde er 1990 zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Die Nachfolge seines Vaters als Chef der Kommunistischen Arbeiterpartei trat er 1997 an.

Der Öffentlichkeit blieb er weitgehend unbekannt. Eine kurze Lobeshymne auf das Militär im Jahr 1992 galt jahrelang als einzige Äußerung Kim Jong Ils. Wenn er einmal zu sehen ist, dann meist als applaudierender Beobachter bei Militärparaden. Hinter vorgehaltener Hand schildern ihn seine Landsleute als exzentrischen, launenhaften und wankelmütigen Playboy mit einer Vorliebe für schwedische Frauen, französischen Cognac und US-Filme. Freunden soll er ab und zu Luxusautos schenken.

Dass er sich nun schon über Jahre in dem nach US-Diktion "Schurkenstaat" an der Macht hält, verdankt er laut Breen seiner Fähigkeit, trotz angeblicher Schwäche dennoch die Fäden fest in der Hand zu halten. Die von Kim am Mittwoch veranlassten Raketentests interpretieren die USA als Versuch, angesichts des anhaltenden Atomstreits mit dem Iran wieder auf sich aufmerksam zu machen. Eine Bedrohung habe nie bestanden, schließlich sei die Langstreckenrakete, die theoretisch auch US-Territorium erreichen können soll, schon nach 40 Sekunden ins Meer gestürzt, spottete der nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley.

(afp)