Viele Ausländer unter den 21 Toten bei Anschlag in Kabul

Attentat auf Restaurant : 13 Ausländer unter den 24 Toten bei Anschlag in Kabul

Die Taliban schlagen erneut in Kabul zu. Diesmal sind Zivilisten in einem bei Ausländern beliebten Restaurant das Ziel. Die UN sind entsetzt.

Nach einem verheerenden Anschlag der Taliban in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich die Zahl der Todesopfer bis Samstag auf 24 erhöht. Unter den Toten waren nach Angaben der Polizei 13 Ausländer, darunter vier Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Unter den Opfern waren nach Angaben vom Samstag zwei US-Bürger, ein Russe, zwei Briten, zwei Kanadier, ein Däne und zwei Libanesen. Einige arbeiteten für den Internationalen Währungsfonds (IWF), für die UNO sowie für die EU-Polizeimission EUPOL.

Wohl keine Deutschen unter den Toten

Bei dem Anschlag sind entgegen ersten Angaben wahrscheinlich doch keine Deutschen getötet worden. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, auch einen Tag nach dem Angriff gebe es dafür noch immer keine Anhaltspunkte. An dieser Einschätzung werde sich wahrscheinlich auch nichts mehr ändern. Zuvor hatten die Taliban erklärt, dass unter den Opfern "eine Reihe hochrangiger deutscher Diplomaten" sei.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff vom Freitagabend auf ein bei ausländischen Diplomaten beliebtes und stark gesichertes Restaurant auf das Schärfste. Solche Anschläge auf Zivilisten seien "völlig inakzeptabel" und ein "abscheulicher Bruch der internationalen Menschenrechte". "Sie müssen sofort aufhören."

Auch der UN-Sicherheitsrat zeigte sich entsetzt. Er äußerte erneut seine tiefe Besorgnis über die Bedrohung, die die Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere bewaffnete Gruppen für die Bevölkerung, die afghanischen Sicherheitskräfte, die internationale Schutztruppe und die internationalen Hilfsorganisationen darstellten.

Augenzeugen berichteten von furchtbaren Szenen

Augenzeugen berichteten von furchtbaren Szenen. "Ein Mann kam schreiend durch die Tür und fing sofort an zu schießen, einer meiner Kollegen wurde getroffen", sagte der Koch Abdul Madschid. "Ich rannte auf das Dach und sprang auf das Nachbargrundstück". Sein Kollege Atikullah konnte sich durch die Hintertür in den ersten Stock flüchten, musste aber später zur Identifizierung der Leichen in das Lokal zurück: "Überall war Blut, auf den Tischen, auf den Stühlen. Die Angreifer müssen ihre Opfer aus nächster Nähe erschossen haben."

IWF-Vertreter unter den Opfern

Bei dem Angriff starben nach Polizeiangaben insgesamt 24 Menschen - 13 Ausländer, acht afghanische Zivilisten sowie die drei Taliban-Angreifer. Unter den Toten sind nach Angaben des afghanischen Innenministeriums auch vier Frauen. Nach Angaben des Außenministeriums in Kopenhagen starb auch ein dänischer Angehöriger der europäischen Polizeitruppe Eupol. Auch der Afghanistan-Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Libanese Wabel Abdallah, wurde nach Angaben von IWF-Chefin Christine Lagarde getötet.

Die Taliban, die sich zu dem Anschlag bekannten, sprachen am Samstag von insgesamt 37 Toten - "29 ranghohe ausländische Eindringlinge und acht afghanische Söldlinge". Angaben der Taliban zu Opfern waren in der Vergangenheit jedoch stets ungenau oder übertrieben.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte mit, der Selbstmordanschlag habe gezielt Ausländern in der Stadt gegolten. Es habe sich um einen Vergeltungsschlag für ein "Massaker" in der Provinz Parwan in dieser Woche gehandelt. Dort waren nach Darstellung eines Mitarbeiters aus dem Büro des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai bei dem Nato-Luftangriff sieben Kinder und eine Frau getötet worden.

Nach Erkenntnissen der Polizei hatten drei Taliban das stark abgesicherte Restaurant im Viertel Wazir Akbar Khan angegriffen, in dem viele ausländische Botschaften ihren Sitz haben. Einer der Angreifer schaltete das Wachpersonal aus, indem er das am Körper getragene Sprengstoffpaket zündete. Seine beiden Komplizen stürmten daraufhin das Restaurant und feuerten auf Gäste und Angestellte.

Dabei starb auch der libanesische Besitzer des Restaurants. Die Angreifer wurden später bei Schusswechseln mit der Polizei getötet.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Angriffe in Kabul gegeben, darunter auch einen Selbstmordanschlag. In einem zweiten Fall war ein Selbstmordattentäter erschossen worden, bevor er seine Bombe zünden konnte.

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(afp/dpa)
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