Verzweifelter Kampf um Kobane

IS-Terror: Verzweifelter Kampf um Kobane

Die Gefechtslage an der türkisch-syrischen Grenze ist verworren. IS-Kämpfer gewinnen offenbar immer mehr Boden. Klar ist: Inzwischen macht sich der Westen auf den Fall der Kurdenstadt Kobane gefasst. Die USA wünschen und fürchten zugleich einen Einsatz der Türkei – er könnte sich auch gegen die Kurden richten.

Die Gefechtslage an der türkisch-syrischen Grenze ist verworren. IS-Kämpfer gewinnen offenbar immer mehr Boden. Klar ist: Inzwischen macht sich der Westen auf den Fall der Kurdenstadt Kobane gefasst. Die USA wünschen und fürchten zugleich einen Einsatz der Türkei — er könnte sich auch gegen die Kurden richten.

Der Vormarsch der IS-Kämpfer konnte nicht gestoppt werden. Foto: dpa, Schnettler

Auch massive internationale Luftangriffe haben den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat in die syrische Stadt Kobane nicht völlig gestoppt. IS-Kämpfer hätten eine Polizeistation erobert und kontrollierten nun mehr als ein Drittel der an der türkischen Grenze gelegenen Stadt, berichtete das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte. Die kurdische Stadtregierung bestritt diese Darstellung. Kurdische Kräfte hätten mehrere Stadtteile zurückerobern können, hieß es.

Die USA zeigten sich in der Frage eines Einsatzes der Türkei im Kampf um Kobane gespalten. Ein militärisches Engagement könnte Ankara auch die Tür für einen Einsatz gegen kurdische Kämpfer öffnen, die in der Türkei seit Jahrzehnten mehr Autonomie fordern, sagte ein Regierungsbeamter.

Doch auch in einem Nichteingreifen der Türkei sehen die USA ein Dilemma: Dies würde den Kämpfern des IS - die Ankara ebenfalls als Feinde ansieht - die Gelegenheit geben, den Kurden in Syrien große Verluste zuzufügen. Beide Szenarien seien nicht annehmbar, hieß es. In Ankara sollte der US-Gesandte John Allen nach einem Stopp in Kairo am Donnerstag anschließend auch mit der türkischen Führung über die Situation beraten.

Die jüngste Angriffswelle auf den IS in der Nacht zum Donnerstag war nach Einschätzung des Beobachtungszentrums eine der bislang heftigsten gegen Stellungen der Extremisten. Die US-Kommandozentrale teilte mit, bei Luftangriffen seit Mittwochnachmittag seien südlich von Kobane ein vom IS genutztes Gebäude und zwei Fahrzeuge zerstört sowie ein Trainingslager beschädigt worden. Getroffen wurden den Angaben zufolge auch zwei Gruppen von Kämpfern. Opferzahlen wurden nicht bekannt.

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Dennoch rückten IS-Kämpfer, die Kobane seit Wochen belagern, weiter in die Stadt ein und lieferten sich mit kurdischen Streitkräften Straßenkämpfe. Die von den Extremisten eingenommene Polizeistation wurde später bei einem Luftangriff beschädigt.

Die kurdische Stadtregierung von Kobane wies indes zurück, dass der IS bereits mehr als ein Drittel der Stadt kontrolliere. Die Terrormiliz halte nur einen kleinen Teil der Stadt, kurdische Kämpfer hätten mehrere Stadtteile zurückerobert, sagte der kurdische Regierungsbeamte Idriss Nassan.

Auch die US-Kommandozentrale berichtete, Anzeichen sprächen dafür, dass der Großteil der Stadt unter kurdischer Kontrolle sei. Bei den seit Mitte September andauernden Kämpfen sollen laut Aktivisten bisher rund 500 Menschen ums Leben gekommen sein.

In den vergangenen Tagen war die Türkei heftig dafür kritisiert worden, an der Grenze stationierte türkische Panzer nicht einzusetzen.

(ap)
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