Versuchte Anschläge auf Obama, Clinton und CNN: Trump gibt Medien eine Mitschuld

Sprengsätze an Obama und Clinton : Trump gibt Medien Mitschuld an „endloser Feindseligkeit"

In den USA fahndet das FBI nach dem Absender der mutmaßlichen Rohrbomben, die an mehrere Kritiker von Donald Trump gegangen sind. Der US-Präsident hat schon einen Mitschuldigen ausgemacht - die Medien.

In den USA sind offensichtlich Rohrbomben an bekannte Kritiker von Präsident Donald Trump versandt worden. Adressiert waren die Päckchen an Ex-Präsident Barack Obama, dessen frühere Außenministerin Hillary Clinton und weitere Prominente, die als Zielscheiben der politischen Rechten gelten.

Trump verurteilte die „versuchten Anschläge" auf „Obama, die Clintons, CNN und andere" als abscheulich. Die Täter würden mit aller Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen. Der US-Präsident rief zu mehr Anstand in der politischen Debatte auf - und nutzte die Gelegenheit zu einer weiteren Breitseite gegen die Medien.

„Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln“, sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Wisconsin. Die Medien müssten „die endlose Feindseligkeit" und die „oft falschen Attacken und Geschichten" beenden, forderte Trump. Die Medien stünden „auch in der Verantwortung, einen zivilisierten Ton zu setzen“ und müssten dazu beitragen, „Gräben zu überwinden und die Menschen zusammenzubringen".

Trump tut sich allerdings selbst regelmäßig mit heftigen Attacken auf die oppositionellen Demokraten und andere Kritiker hervor, vergreift sich dabei häufig im Ton oder wird gar beleidigend. Zuletzt bezeichnete er die Demokraten mehrfach als „Kriminelle“ und „Mob“.

Kritiker werfen ihm deshalb vor, dass er durch seine oft aggressive Rhetorik das politische Klima aufheize und die Spaltungen in der US-Gesellschaft vertiefe. Immer wieder greift er auch kritische Medien an. Wiederholt hat er sie als „Feinde des Volkes“ bezeichnet. Kürzlich lobte er einen Kongressabgeordneten sogar für dessen gewaltsamen Angriff auf einen Journalisten.

CNN-Chef Jeff Zucker warf Trump nun vor, die Folgen seiner Medienschelte vollkommen zu unterschätzen. „Es gibt einen totalen und völligen Mangel an Verständnis im Weißen Haus über die Schwere der fortgesetzten Angriffe auf die Medien", sagte Zucker. „Der Präsident, und insbesondere der Pressesprecher des Weißen Hauses, sollten verstehen, dass ihre Worte Folgen haben."

Bei den nun versandten Sprengsätzen handelt es sich nach Angaben der Anti-Terror-Einheit von New York und des FBI offensichtlich um einfach gebaute Rohrbomben. Die PVC-Rohre enthielten Schwarzpulver, einen Zünder und vermutlich auch Granatsplitter, wie NBC unter Berufung auf drei Ermittler berichtete. Verletzt wurde bei den Funden in Washington und im Großraum New York niemand. Die gepolsterten Umschläge wurden abgefangen, bevor sie ihre Adressaten erreichten. Laut FBI ähnelten sich die Umschläge.

Der oder die Absender der Rohrbomben nahmen insgesamt sechs Prominente ins Visier: Neben Obama und Clinton waren unter anderen der ehemalige CIA-Direktor John Brennan und Ex-Justizminister Eric Holder Adressaten der Sprengsätze. Die Päckchen ähnelten laut FBI jener Briefbombe, die am Montag im Briefkasten des Anwesens von Milliardär und Philantrop George Soros gefunden worden war. Auch die demokratische Abgeordnete Maxine Waters erhielt verdächtige Post. Soros und die zur Zielscheibe geratenen Prominenten haben Trumps Politik immer wieder scharf kritisiert.

Das Päckchen an Holder war falsch adressiert worden und landete stattdessen im Büro der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz, deren Anschrift als Absender angegeben war. Das an Brennan adressierte Päckchen wurde an den TV-Sender CNN geschickt, wo der frühere Geheimdienstchef häufig als Gast auftritt. Das New Yorker Bürogebäude des Unternehmens Time Warner, in dem CNN seinen Sitz hat, wurde daraufhin geräumt. Auch weißes Pulver wurde Berichten zufolge in dem Päckchen entdeckt. Ob es sich dabei um eine gefährliche Substanz handelt, war zunächst unklar.

FBI-Direktor Christopher Wray sagte, die Ermittlungen zu den Funden hätten „höchste Priorität“. In New York wurden 100 weitere Soldaten der Nationalgarde eingesetzt, um Flughäfen, Bahnhöfe und andere Knotenpunkte zu überwachen. Zu den Rohrbomben sagte Gouverneur Andrew Cuomo: „Dies ist die Welt, in der wir leben.“

(dpa/AP/AFP)
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