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Vera Putina: Die Frau, die Putins Mutter sein will

Vera Putina : Die Frau, die Putins Mutter sein will

Um die Kindheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin ranken sich zahlreiche Rätsel. Auch Putins Biografie weist in den jungen Jahren erstaunliche Lücken und Ungereimtheiten auf. Neue Medienberichte befeuern das Gerücht, dass Putin seine wahre Abstammung verleugnet. Dazu passen die Aussagen der heute 88-jährigen Eva Putina.

Wladimir Putin wird nachgesagt, ein Faible für Geheimnisse zu haben. Er war Chef des Geheimdienstes. Sein Privatleben verbirgt er vor der Öffentlichkeit. Seine frühere Ehefrau war in der Öffentlichkeit so gut wie nie zu sehen. Und auch in der Politik erwies sich Putin schon mehrfach als ein Meister des doppelten Spiels.

Über seine Kindheit ist — im Gegensatz zu den meisten anderen Staatschefs — kaum etwas bekannt. Auf der Website des Kreml und in seiner Autobiografie steht, dass er in Leningrad als Kind einer Arbeiterfamilie aufwuchs. In "sehr einfachen Verhältnissen", wie Putin erzählt. Die Namen der Eltern: Wladimir Spiridonowitsch Putin und Maria Iwanowna Putina. Einiges wirkt verklärend. Der schweigsame Vater und seine Heldentaten im Krieg. Die sanfte Mutter, die ihrem Sohn erst den Kampfsport verweigern wollte.

Doch die Erzählungen werfen Fragen auf, wie sie nun die Wochenzeitung "Die Zeit" aufgreift. Bis auf Eckdaten und Erinnerungen über die leckeren Sonntagskuchen seiner Mutter schweigt die Biografie sich aus. Erst mit der Schulzeit im Jahr 1960 werden die Angaben detaillierter. Enge Familienangehörige, die etwas zur Herkunft Putins erzählen könnten, gibt es nicht mehr. Eltern und Brüder starben, bevor Putin Präsident wurde und das öffentliche Interesse erwachte. Auffällig auch, dass Putins Mutter bereits 41 gewesen sein soll, als sie ihn zur Welt brachte. Für das Jahr 1952 in der damaligen Sowjetunion ein ungewöhnlich hohes Alter.

Seit 1999 erzählt eine alte Frau aus ärmlichen Verhältnissen eine ganz andere Geschichte. Sie behauptet, die wahre, die leibliche Mutter des Präsidenten zu sein. Ihr Name: Vera Putina. Glaubt man ihr, dann war Putin der uneheliche Sohn aus einer Beziehung mit einem verheirateten Mann. Geboren sei der kleine "Wowa", wie sie ihn liebevoll nennt, nicht am 7. Oktober 1952 in Leningrad, sondern exakt zwei Jahre früher in der russischen Kleinstadt Otschor im Ural.

Aufgewachsen sei er zunächst in dem georgischen Dorf Mecheti, wo Putina geheiratet hatte, später bei den Großeltern im Ural. Er soll neun Jahre alt gewesen sein, als sie ihn aus der Not heraus an Pflegeeltern habe geben müssen: Eben jene Eltern aus Leningrad, Wladimir Spiridonowitsch Putin und Maria Iwanowna Putina, die in der offiziellen Biografie des Präsidenten angegeben sind. 1999 will Putina ihren Sohn im Fernsehen wiedererkannt haben — als Mann auf dem Weg ins russische Präsidentenamt.

In auf zeit.de veröffentlichten und mit deutschen Übersetzungen unterlegten Filmaufnahmen eines georgischen Privatsenders erzählt sie, wie ihr "Wowa" bis zur dritten Klasse die Dorfschule besuchte. Nach seinem Umzug nach Leningrad habe er erst Russisch lernen und deswegen einige Klassen wiederholen müssen. Auf den Aufnahmen, die aus den Jahren 2006 und 2008 stammen sollen, wirkt sie steinalt, tief haben sich die Falten in ihr Gesicht eingegraben. Im Gespräch wirkt sie bei klarem Verstand. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie ihn damals abgegeben hat. Doch er habe studiert und sein Leben geordnet.

Besuche von Reportern ist Putina mittlerweile gewohnt. Schon mehrfach interviewten sie Journalisten. Auf Youtube finden sich mehrere Videoaufnahmen der Georgierin.

Schon im Jahr 2008 wurden Reporter des britischen "Telegraph" auf die Geschichte von Vera Putina aufmerksam und statteten ihr einen Besuch ab. Sie finden tatsächlich Belege, dass in den 50er Jahren ein Junge namens Wladimir Putin die Dorfschule von Mecheti besucht hat. Ihre Berichte wies der Kreml umgehend als abstrus zurück. Zudem erschütterte damals der Georgien-Krieg die Region. Jeder Zweifel am russischen Präsidenten war ein politischer Sprengsatz und dem Verdacht der Kriegspropaganda ausgesetzt.

Sieben Jahre später ist das nicht viel anders. Putins PR- und Propaganda-Ministerium will auch auf die aktuellen Anfragen der "Zeit" nicht näher eingehen. Auffällig aber die zeitliche Nähe zu einem Beitrag, den Putin wenige Tage später in einem russischen Magazin veröffentlicht und darin ausführlich von seinen Eltern erzählt. So als ob er Zweifel an seiner Biografie zerstreuen wollte, wie die Reporter der "Zeit" sich fragen.

(pst)