Venezuela: Schwere Ausschreitungen bei Protesten gegen Maduro

Venezuela : Schwere Ausschreitungen bei Protesten gegen Maduro

Am Mittwoch sind Gegner des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zur sogenannten Mutter aller Märsche gegen ihn auf die Straßen von Caracas geströmt. Bereits früh nach Beginn der Proteste kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten, Polizisten und Anhängern der Regierung.

Sicherheitskräfte feuerten Tränengas auf Protestierende. Nach Angaben von Oppositionsführern wurde einem jungen Mann in den Kopf geschossen. Er kam ins Krankenhaus. Sein Zustand war zunächst unklar.

Zehntausende Demonstranten kamen von 26 verschiedenen Stellen in der Hauptstadt zusammen, um in die Innenstadt zum Büro des Ombudsmanns zu marschieren. Diese Route hatten in den vergangenen Wochen ein halbes dutzend Mal Zehntausende verärgerte Protestierende in Anlauf genommen. Ihr Vorankommen wurde jedoch durch gepanzerten Fahrzeuge und Tränengas- und Gummigeschossbeschuss der Polizei blockiert.

Angst vor einer Diktatur

Die Proteste wurden durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vor drei Wochen ausgelöst, mit der dem von der Opposition kontrollierten Parlament nach einem einjährigen Machtkampf seine letzten verbleibenden Befugnisse entzogen wurden. Die Entscheidung wurde später angesichts großer internationaler Kritik und einer seltenen öffentlichen Abweichung innerhalb der regierenden Elite rückgängig gemacht. Die bewaffnete Reaktion auf die Proteste wird für mindestens fünf Todesfälle verantwortlich gemacht.

Die zersplitterte venezolanische Opposition hat versucht, von der wachsenden Abneigung gegenüber Maduro wegen weit verbreiteter Lebensmittelknappheiten, einer dreistelligen Inflation und Kriminalität zu profitieren. Sie dringt auf Maduros Absetzung und die Freilassung Dutzender politischer Gefangener.

Es wurde erwartet, dass sich Maduro am Mittwoch an einen Gegenmarsch von Regierungsanhängern wenden würde. Der heutige Mittwoch ist ein Feiertag, mit dem Venezuelas Erklärung zur Unabhängigkeit von Spanien vor zwei Jahrhunderten gefeiert wird.

Maduro hatte am Dienstagabend Anordnungen im Fernsehen unterzeichnet, mit denen die sogenannte grüne Phase von Militärplänen aktiviert wurde, um Venezuela gegen etwas zu verteidigen, bei dem es sich laut Maduro um von den USA unterstützte Versuche handelt, Chaos zu säen und ihn zu stürzen. Die Behörden hätten in den vergangenen Stunden namentlich nicht genannte Mitglieder einer Untergrundzelle von Verschwörern in Hotels in Caracas festgenommen, sagte Maduro. Darunter seien einige bewaffnete Personen, die geplant haben sollen, zu Gewalt bei dem Marsch anzustiften. Maduro lieferte keine Beweise, um seine Behauptung zu stützen, das ein Putschversuch im Gange sei. Die Opposition wies seine Kommentare als verzweifelten Versuch zurück, Venezolaner davon abzuhalten, ihr Verfassungsrecht auf Protest auszuüben.

Es gab Bedenken, die entgegengesetzten Märsche am Mittwoch könnten zu Zusammenstößen führen, nachdem die Nummer zwei der regierenden Sozialisten, Diodado Cabello, gesagt hatte, dass 60.000 überzeugte Regierungsanhänger auf Motorrädern im Einsatz seien würden, um die Opposition daran zu hindern, ihr geplantes Ziel zu erreichen.

Die Opposition fordert zudem Neuwahlen und macht Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise des Landes mit den größten Ölreserven verantwortlich.

Maduro, Nachfolger des 2013 verstorbenen Hugo Chávez, war am Mittwoch exakt vier Jahre im Amt. Die Opposition nannte den Marsch am Mittwoch die "Mutter aller Demonstrationen". Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt hatten zuletzt tausende Menschen das Land verlassen und flüchteten vor allem in das Nachbarland Brasilien.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Venezuela: Caracas erlebt die "Mutter aller Märsche"

(felt/ap/dpa)
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