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Urananreicherung: USA wollen iranischer "Bedrohung" begegnen

Urananreicherung : USA wollen iranischer "Bedrohung" begegnen

Teheran (rpo). Trotz Kritik aus den USA, Großbritannien und Israel hat der Iran eine umfangreiche Urananreicherung angekündigt. 54.000 Zentrifugen will das Land zum Einsatz bringen. Die Menge soll für den Betrieb eines 1.000-Megawatt-Atomreaktors ausreichen. Die USA drohen mit Sanktionen.

Nach dem Beginn der Urananreicherung im Iran haben die USA dem Land mit Strafmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft gedroht. Sanktionen seien mit Sicherheit eine Option, um der iranischen "Bedrohung" zu begegnen, erklärte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington.

US-Außenministerin Condoleezza Rice appellierte an den UN-Sicherheitsrat, auf seiner Sitzung Ende April "starke Maßnahmen" gegen den Iran zu ergreifen. Die Bundesregierung in Berlin äußerte sich besorgt. Der Iran zeigte sich von den kritischen Reaktionen unbeeindruckt. Der Westen könne nichts gegen das Atomprogramm tun, sagte Generalstabschef Hassan Firusabadi.

Der Start der Urananreicherung sei ein Affront gegen die UNO und gegen das Direktorium der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), hieß es in dem schriftlichen Statement des Weißen Hauses. Dieser Schritt stelle auch einen "klaren Verstoß" gegen die mit der EU-Troika aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien getroffene Vereinbarung dar.

"Angemessene Schritte"

Die USA würden im UN-Sicherheitsrat die "angemessenen Schritte" ergreifen. Rice betonte, der Sicherheitsrat müsse die "Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft" wahren. Der Iran werde in etwa 15 Monaten zum Bau einer Atombombe in der Lage sein, warnte der Beauftragte für Atomfragen im US-Außenministerium, Stephen Rademaker.

Der UN-Sicherheitsrat hatte dem Iran Ende März eine vierwöchige Frist gesetzt, seine Aktivitäten zur Urananreicherung zu beenden. Er ließ aber offen, was geschehen soll, wenn Teheran dieser Aufforderung nicht nachkommt. Besonders China und Russland, die im Sicherheitsrat das Veto-Recht haben, hegen starke Bedenken gegen die Verhängung von Sanktionen.

Ein russischer Außenamtssprecher sagte, Moskau hoffe, dass der Iran die Sorgen der internationalen Gemeinschaft verstehe. Teheran müsse sein Atomprogramm aussetzen und die Resolution des UN-Sicherheitsrates beachten. Außenminister Sergej Lawrow warnte jedoch erneut vor dem Einsatz von Gewalt. Auch der chinesische Botschafter bei der UNO, Wang Guangya, zeigte sich besorgt und fügte hinzu: "Von militärischen oder anderen Sanktionen jetzt zu sprechen, wäre nicht sinnvoll."

Schritt in die falsche Richtung

Das Verhalten des Iran sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Besuch in Helsinki. Es gebe Grund zur Besorgnis. Zunächst müsse aber die Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) abgewartet werden.

IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei, reiste am Mittwoch zu Gesprächen über das iranische Atomprogramm nach Teheran. Am Donnerstag wollte ElBaradei mit iranischen Vertretern zusammentreffen, um Teheran nach Diplomatenangaben eine "Möglichkeit zu geben", von der IAEA geforderte Informationen über die iranischen Atomaktivitäten zu liefern.

Der Iran hatte am Dienstag nach eigenen Angaben erfolgreich Uran in niedriger Konzentration angereichert. Laut dem Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamresa Aghasadeh, ist das zu 3,5 Prozent angereicherte Uran als Brennstoff für Atomkraftwerke geeignet. Staatschef Mahmud Ahmadinedschad erklärte laut dem Staatsfernsehen, sein Land werde "bald" dem "Club der Atommächte" angehören.

"Dieses Wissen ist jetzt unseres und wir sind in der Lage, hunderte Anlagen zur Urangas-Konversion und tausende Zentrifugen zu bauen", sagte der iranische Generalstabschef Firusabadi. Dem Westen bleibe nichts anderes übrig, als dem Iran "in Freundschaft die Hand zu reichen".

Hier geht es zur Infostrecke: Der Konflikt um Irans Atomanlagen

(ap)