USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen

Einmarsch in Nordsyrien : USA übernehmen mehrere IS-Kämpfer von Kurdenmilizen

Das US-Militär hat angesichts des türkischen Einmarschs in Nordsyrien mehrere Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aus den Händen der Kurdenmilizen übernommen.

Darunter seien die für ihre Brutalität berüchtigten Briten Alexanda Kotey und El Schafi Elscheich, die in den Irak gebracht werden sollten, berichteten die „Washington Post“ und die „New York Times“ am Mittwochabend (Ortszeit). Die beiden sollen an der Enthauptung von Geiseln beteiligt gewesen sein und zu einer IS-Zelle gehört haben, die wegen ihrer Herkunft und ihres britischen Akzents auch „The Beatles“ genannt wurde.

Kotey und Elscheich waren nach Angaben des US-Militärs im Januar vergangenen Jahres gefangen genommen worden. Sie wurden danach den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) übergeben, einem US-Verbündeten. Bislang wurden gefangene IS-Kämpfer in Nordsyrien von SDF-Kräften bewacht, die sich nun aber auf den Kampf gegen die türkischen Streitkräfte konzentrieren dürften. US-Präsident Donald Trump hatte dem türkischen Einmarsch am Mittwoch mit dem Rückzug von US-Truppen aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei den Weg geebnet.

Trump sagte am Mittwoch im Weißen Haus, die USA hätten wegen des türkischen Einmarschs einige der gefährlichsten IS-Kämpfer in ihre Obhut genommen und „herausgebracht“. Trump kritisierte erneut, dass sich europäische Staaten wie Deutschland und Frankreich geweigert hätten, eigene Staatsbürger zurückzunehmen, die als IS-Kämpfer in Syrien gefangen sind. Er deutete an, dass diese Kämpfer „nach Europa fliehen“ würden, falls sie freikommen sollten.

Zu den vier „Beatles“ gehörte neben Kotey und Elscheich auch der als „Dschihadi John“ bekannt gewordene Extremist Mohamed Emwasi, der 2015 bei einem Luftangriff getötet wurde. Das vierte Mitglied, Aine Davis, wurde im Mai 2017 in der Türkei wegen Terrorvorwürfen verurteilt.

Alle Mitglieder der „Beatles“-Gruppe kommen aus London und radikalisierten sich in Großbritannien. Kotey ist britischen Medien zufolge als Jugendlicher zum Islam konvertiert. Er soll gemeinsam mit Emwasi und Davis regelmäßig eine Moschee in Notting Hill in der britischen Hauptstadt besucht haben. Emwasi wurde in Kuwait geboren und kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Großbritannien. Die Familie von Elscheich stammt aus dem Sudan und beantragte Asyl in Großbritannien. Er soll seiner Mutter zufolge von einem Hassprediger beeinflusst worden sein.

Die Zelle enthauptete nach Angaben des US-Außenministeriums mehr als zwei Dutzend Geiseln und folterte viele weitere. Zu ihren Opfern zählen die Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie die Entwicklungshelfer Peter Kassig, David Haines und Alan Henning. Videos der Enthauptungen, bei denen die Gefangenen in orangefarbene Overalls gekleidet waren, lösten 2014 weltweit Entsetzen aus.

(zim/dpa)
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