USA schließen Fake-Botschaft in Ghana

Zehn Jahre in Betrieb : USA schließen Fake-Botschaft in Ghana

Zehn Jahre lang gab es in Ghanas Hauptstadt Accra eine amerikanische Botschaft. Die Mitarbeiter verkauften teure US-Visa-Papiere und Ausweise. Das Problem: Alle Dokumente waren gefälscht. Das US-Außenministerium hat das Treiben inzwischen nach eigenen Angaben beendet.

Die Öffnungszeiten waren montags, dienstags und freitags von 7.30 bis 12 Uhr. Dann wehte an dem Gebäude die amerikanische Flagge. Auf Flyern wurde für das Angebot geworben, Visa-Papiere, Ausweisdokumente oder Geburtsurkunden schienen für jedermann greifbar. Zehn Jahre lang wurde die US-Botschaft in Ghana ungehindert betrieben — bis der Betrug aufflog. Nun hat das US-Außenministerium den Betrieb geschlossen. Das teilt das "US Department of State" auf seiner Homepage mit. Die Nachrichtenseite Quartz berichtete zuerst über den Vorfall.

Im Innern der Fake-Botschaft hing ein Foto des US-Präsidenten Barack Obama, Schilder wiesen die Räume als offizielle Einrichtung der amerikanischen Regierung aus. Zehn Jahre lang nutzten Kriminelle aus Ghana und der Türkei die Räume, um ihre ahnungslosen Kunden zu betrügen. Die vermeintlichen Angestellten waren türkische Staatsbürger, die Englisch und Niederländisch sprachen.

Laut Angaben des US-Außenministeriums akzeptierten korrupte einheimische Beamte das Treiben. Mehr noch: Offenbar erhielten die Betrüger sogar offizielle Dokumente, anhand derer sie die Fälschungen herstellen konnten. Um diese an den Mann zu bringen, reisten die Betrüger in abgelegene Teile in Westafrika, etwa die Elfenbeinküste oder Togo. Die dort aufgetriebenen Kunden wurden nach Accra gefahren, in einem Hotel untergebracht und in der "Botschaft" letztlich um ihr Geld gebracht.

Zehn Jahre lang merkte offenbar auch in der echten US-Botschaft in Accra niemand etwas von dem Betrug nebenan. In diesem Sommer habe ein Mitarbeiter dann gemeinsam mit einheimischen Polizisten dem Treiben ein Ende gesetzt, heißt es in dem Bericht vom November. Bei der Razzia wurden mehrere Verdächtige festgenommen und Beweismaterial sichergestellt.

(vek)
Mehr von RP ONLINE