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Medienbericht über Afghanistan-Strategie: USA planen ihren Truppenabzug ab 2014

Medienbericht über Afghanistan-Strategie : USA planen ihren Truppenabzug ab 2014

Washington (RPO). Die USA wollen beim Nato-Gipfel in Lissabon offenbar einen Plan für den schrittweisen Abzug ihrer Kampftruppen aus Afghanistan vorstellen. Wie die "New York Times" berichtete, plant die Regierung in Washington, bis 2014 in mehreren Stufen den Kampfeinsatz am Hindukusch zu beenden.

Washington (RPO). Die USA wollen beim Nato-Gipfel in Lissabon offenbar einen Plan für den schrittweisen Abzug ihrer Kampftruppen aus Afghanistan vorstellen. Wie die "New York Times" berichtete, plant die Regierung in Washington, bis 2014 in mehreren Stufen den Kampfeinsatz am Hindukusch zu beenden.

In den kommenden anderthalb bis zwei Jahren solle damit begonnen werden, die US-Kampftruppen aus einigen afghanischen Gebieten abzuziehen, berichtete die "New York Times" am Sonntagabend (Ortszeit) auf ihrer Website. Vollständig beendet werden soll der Kampfeinsatz demnach bis zum Jahr 2014. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama werde den Abzugsplan beim Gipfel in Lissabon, der am Freitag und Samstag stattfindet, vorlegen.

Der Nato-Gipfel in Lissabon werde einen "Wendepunkt" in der Afghanistan-Politik der USA markieren, sagte Holbrooke am Montag in Islamabad. Künftig werde es eine Strategie des Übergangs geben, mit dem Ziel, dass Afghanistan die Verantwortung für die Sicherheit des Landes Ende 2014 selbst übernehmen könne.

Der Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan bestätigte, dass bereits im Juli 2011 mit dem Abzug erster US-Truppen begonnen werden solle. In welchem Ausmaß und in welcher Geschwindigkeit dies erfolgen solle, werde allerdings von der Regierung Obamas erst im nächsten Jahr entschieden.

Der Plan für den Abzug orientiert sich dem Bericht der "New York Times" zufolge am Vorgehen der US-Armee im Irak. Wie zuletzt auch in Afghanistan war im Irak das US-Truppenkontingent 2007 zunächst deutlich vergrößert worden, um die Sicherheitslage zu stabilisieren.

Danach übergab die US-Armee die Sicherheitsverantwortung Region für Region den irakischen Sicherheitskräften. Bis zum Sommer 2010 wurden alle US-Kampftruppen aus dem Irak abgezogen. Bis Ende 2011 sollen noch knapp 50.000 US-Soldaten im Land bleiben, deren Aufgabe sich aber auf die Ausbildung und Beratung der einheimischen Truppen beschränkt.

"Der Irak ist eine ziemlich gute Blaupause für einen Übergang in Afghanistan", zitierte die "New York Times" einen US-Regierungsvertreter. Entscheidend für den Abzug sei aber, dass Afghanistan eine eigene Armee aufbaue, "die wirklich in der Lage ist, die Führung zu übernehmen". Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte die US-Armee erst am Sonntag aufgefordert, ihre Militäreinsätze in seinem Land einzuschränken. "Die Zeit zur Verringerung der Militäreinsätze ist gekommen", sagte er der "Washington Post".

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In Afghanistan kam es unterdessen erneut zu blutigen Zwischenfällen. Bei einem Angriff radikalislamischer Taliban auf einen Mobilfunkturm im Norden Afghanistans wurden am Montag mindestens 17 Menschen getötet. Nach Angaben der Polizei in der Provinz Kundus starben neun Wachleute, ein Polizist und sieben Rebellen.

Am Wochenende wurden nach Angaben der Nato insgesamt zehn Isaf-Soldaten bei Gefechten mit Taliban und Bombenexplosionen getötet. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage der Website icasualties.org zufolge starben in diesem Jahr in Afghanistan damit bereits 643 Nato-Soldaten.

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(AFP/csi)