USA legalisieren Waffen aus 3D-Drucker - Waffengegner kritisieren die Regierung

Waffengegner kritisieren Regierung : USA legalisieren Waffen aus 3D-Drucker

Ihre Qualität gilt als schlecht, aber schießen können sie - und jeder kann sie im eigenen Wohnzimmer herstellen. Ab August sollen digitale Vorlagen zum Ausdrucken von Plastik-Pistolen als Download verfügbar sein. Kritiker sind entsetzt.

Besser könnten es sich Kriminelle und Terroristen gar nicht vorstellen: Die von Cody Wilson angebotene Waffe wird nicht von Metalldetektoren erkannt und lässt sich auch nicht anhand einer Seriennummer identifizieren. Mehrere Jahre kämpfte der Texaner um eine Genehmigung. Nun ist er am Ziel: Die US-Regierung hat ihm grünes Licht gegeben.

Gegner der Idee, Schusswaffen aus dem 3D-Drucker für legal zu erklären, haben am Donnerstag vor Gericht Beschwerde eingelegt. Ob sie damit durchkommen, ist allerdings ungewiss. „Es gibt einen Markt für diese Gewehre, und zwar nicht nur unter Waffen-Fetischisten und Hobbybastlern“, sagt Nick Suplina von der Organisation „Everytown for Gun Safety“, die sich mit zwei anderen Gruppen zusammengetan hat, um Wilson in letzter Minute doch noch zu stoppen. Auch in der kriminellen Unterwelt sei die Nachfrage nach Waffen aus dem 3D-Drucker groß.

Einen ersten Entwurf für eine solche Waffe hatte Wilson, Gründer des Unternehmens „Defense Distributed“, bereits 2013 online gestellt. Das US-Außenministerium schritt damals schnell ein. Mit Verweis auf die Waffenexport-Gesetze zwang es ihn, die digitalen Vorlagen wieder aus dem Netz zu nehmen. Bis dahin waren die Datensätze allerdings schon etwa hunderttausend Mal heruntergeladen worden - auch von Internet-Nutzern außerhalb der USA.

Es folgte ein langer Rechtsstreit, Ende Juni kam dann die überraschende Kehrtwende. Die inzwischen von Präsident Donald Trump angeführte Regierung zog ihre Einwände zurück. Wilson selbst kündigte per Twitter an, seine Vorlagen für Waffen aus dem 3D-Drucker ab dem 1. August wieder verfügbar zu machen.

Befürworter argumentieren, Waffen aus dem 3D-Drucker seien lediglich eine moderne Version dessen, was ohnehin längst möglich ist - nämlich der Eigenbau einer einfachen Schusswaffe mit bekannten Materialien und Methoden. Außerdem führen sie an, dass die Herstellung mit dem 3D-Drucker viel zu teuer und die Qualität der Waffen viel zu schlecht sei, als dass es für Kriminelle eine ernsthafte Option wäre.

Während mit einer herkömmlichen Waffe oft tausendfach geschossen werden kann, fallen die bisher mit 3D-Druckern produzierten Exemplare meist schon nach wenigen Schüssen auseinander. In der Regel ist auch die Treffsicherheit eher bescheiden. „Wenn du ein Bandenmitglied in Los Angeles bist, wirst du dann Zehntausende Dollar ausgeben, um einen Drucker zu kaufen und eine Pistole zu drucken, die schlecht funktioniert, oder wirst du einfach irgendwo eine klauen?“, fragt Larry Keane von der „National Shooting Sports Foundation“, die die Interessen der Waffenhersteller vertritt.

Das dem US-Justizministerium zugeordnete Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives veröffentlichte 2013 ein Video, in dem eine nach der Vorlage von Wilson hergestellte Waffe getestet wurde. Tatsächlich war schon nach dem ersten Schuss nicht mehr viel von der Waffe übrig. Bei dem Test handelte es sich um Wilsons frühen Entwurf einer Pistole namens „Liberator“. Künftig will er über seine Website auch Blaupausen für andere Modelle anbieten.

Gegner sind dennoch besorgt - weil über die neue Technik bald wirklich jeder, ohne die bisher üblichen Überprüfungen, in den Besitz einer Schusswaffe gelangen kann; weil im Falle von Ermittlungen praktisch keine Rückverfolgung möglich sein wird; und weil die Plastik-Pistolen praktisch überallhin mitgenommen werden können.

„Es ist vollkommen verrückt“, sagt Rick Myers, Leiter der Polizeiorganisation Major Cities Chiefs Association. „Wenn man nur an die ganze Rhetorik denkt, die man in unserem Land derzeit hört - über besseren Grenzschutz und innere Sicherheit.“ Nun sorge die Regierung dafür, dass all diejenigen, die mit einer Waffe unbemerkt etwa durch Metalldetektoren an Flughäfen gelangen wollten, die perfekte Lösung präsentiert bekämen.

Möglich wurde die Genehmigung der Waffen aus dem 3D-Drucker auch durch eine Änderung der Zuständigkeiten. Neuerdings fallen in den USA nur noch militärische Waffen unter die Aufsicht des Außenministeriums. Um solche, die im freien Handel erhältlich sind, kümmert sich inzwischen das Handelsministerium. Laut einer mit Wilson getroffenen Vereinbarung gilt für dessen Vorlagen damit nicht mehr die Waffenexport-Richtlinie Itar.

Der demokratische Senator Bob Menendez hat Außenminister Mike Pompeo aufgefordert, die Entscheidung noch einmal zu überprüfen. Auch der Waffenrechtsexperte Robert Spitzer von der State University of New York sieht die Genehmigung kritisch. Noch sei aufgrund der hohen Kosten und der schlechten Qualität zwar keine massenhafte Verbreitung der neuen Waffen zu befürchten, sagt er. Aber die Technik werde sich schnell weiterentwickeln.

(mba/dpa)
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