USA: Jeff Bezos und Donald Trump streiten sich

Nacktbilder, Erpressungen und Vorwürfe: Jeff Bezos liefert sich mit Donald Trump ein Duell der Milliardäre

Zwei reiche, mächtige Männer streiten sich über Mittelsmänner: Jeff Bezos und Donald Trump. Es geht um Nacktbilder, Feindseligkeiten und um Einfluss in der Politik.

Er werde sich nicht einschüchtern lassen. Er werde vor Erpressung nicht kapitulieren, schrieb Jeff Bezos, als er publik machte, womit ihm der Medienunternehmer David Pecker, ein alter Vertrauter Donald Trumps, drohte.

Ursprünglich wollte der Gründer des Online-Kaufhauses Amazon herausfinden, wer Fotos und Textnachrichten aus seinem Liebesleben an Peckers Verlag AMI weitergegeben hatte, unter dessen Dach das schrille Boulevardblatt „National Enquirer“ erscheint. Im Laufe der Recherche glaubte er politische Motive erkennen zu können. Worauf ihm AMI nahelegte, die Nachforschungen umgehend einzustellen: Sollte Bezos weitergraben, würden weitere Bilder veröffentlicht, diesmal von „unter der Gürtellinie“.

Hier mehr über die Vorwürfe von Jeff Bezos gegen Donald Trump und den „National Enquire“ nachlesen

Das Duell sorgt schon deshalb für Aufsehen, weil man es durchaus als Kraftprobe zwischen dem wohlhabendsten und dem mächtigsten Mann der Welt verstehen kann. Bezos, vom Magazin „Forbes“ zum Spitzenreiter der Reichenliga gekürt, ist seit 2013 Besitzer der „Washington Post“. Bedenken, er könnte aus der Hauptstadtzeitung eine Art „Amazon Post“ machen, hat er mittlerweile zerstreut. Indem er kräftig in die Redaktion investierte, ohne deren Unabhängigkeit anzutasten, bewahrte er das Blatt vor dem schleichenden Bedeutungsverlust. Neben der „New York Times“ ist es vor allem die „Washington Post“, die Brisantes aus dem Innenleben des Weißen Hauses enthüllt.

Trump wiederum kann sich hundertprozentig auf seinen Freund Pecker verlassen, was allein schon die Causa Karen McDougal illustriert. In der Endphase des Wahlkampfs 2016 wollte das Playboy-Model über eine Affäre mit dem Immobilienmogul plaudern, AMI erwarb sämtliche Rechte an der Story, nur eben nicht in der Absicht, sie zu publizieren. Vielmehr wurde der Text ad acta gelegt, um Trump weitere Peinlichkeiten zu ersparen. Wenn es darum geht, umstrittene Entscheidungen des Präsidenten zu verteidigen, marschiert der New Yorker ebenfalls in der ersten Reihe. Nachdem Trump den Pakt mit Saudi-Arabien zu einer tragenden Säule seiner Nahostpolitik erklärt hatte, druckte AMI eine Sonderausgabe über das „Neue Königreich“ unter Führung seines Kronprinzen Mohammed bin Salman. 97 Seiten Huldigung, wie Kritiker damals einwendeten.

Dies ist das Umfeld, in dem die verworrene Geschichte um Bezos spielt. Dessen Affäre mit Lauren Sanchez, einst Moderatorin einer Fernsehshow, ist kein Geheimnis mehr, seit er sich Anfang Januar in einem Tweet zu ihr bekannte. Kurz darauf kündigte er die Scheidung von MacKenzie Bezos an, der Frau, die er 1993 geheiratet hatte und die de facto seine Buchhalterin war, als er Amazon in einer Garage in Seattle gründete und Pakete mit zu versendenden Büchern noch selber zur Post brachte.

Beim Enquirer hatten sie bereits im vorigen Herbst Wind von der Beziehung des Multimilliardärs zu Sanchez bekommen. Schon damals stellten Reporter den beiden nach, etwa in Restaurants und Hotels in Beverly Hills. Nachdem das Ehepaar Bezos die Trennung bekanntgegeben hatte, druckte die Postille, was man ihr zugespielt hatte, zum Beispiel Textnachrichten mit schwärmerischen Liebesbekundungen. Um herauszufinden, woher das Material stammte, engagierte Jeff Bezos den Privatdetektiv Gavin de Becker, in den USA so etwas wie der König seiner Branche. Dann, Ende vergangener Woche, ließ er eine politische Bombe platzen, indem er den Verdacht auf die Regierung Saudi-Arabiens lenkte.

Die Tatsache, dass er die „Washington Post“ besitze, mache sein Leben kompliziert, schrieb Bezos. Zwangsläufig würden „gewisse mächtige Leute“, denen nicht gefalle, was sie schreibe, daraus den falschen Schluss ziehen, dass er ihr Feind sei. Trump gehöre dazu, und die unbeugsame Art der Berichterstattung über den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi, einen Kolumnisten der Zeitung, sei in gewissen Kreisen „zweifellos unpopulär“. Nach seinem Amtsantritt, fügte Bezos hinzu, habe der Präsident die Loyalität des Verlegers Pecker mit einem Dinner im Weißen Haus belohnt. Pecker wiederum habe einen Gast mitgebracht, der beste Kontakte zur saudischen Königsfamilie pflege.

Dass Riad hinter dem Erpressungsversuch stehen könnte, hat das Karussell der Spekulationen erst recht in Schwung gebracht – und AMI zu einem Dementi gezwungen. „Es war nicht das Weiße Haus, es war nicht Saudi-Arabien“, beteuerte Elkan Abramowitz, ein Anwalt des Verlags, in einer Sonntagsshow von ABC News. Vielmehr stamme das Material aus einer Quelle, auf die man sich bereits seit sieben Jahren stütze. Berichten der Online-Plattform Daily Beast zufolge handelt es sich dabei um Michael Sanchez, den Bruder der Bezos-Geliebten. Angeblich ist er ein glühender Anhänger Trumps.

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