Wie die US-Medien die Debatte sahen: "Wo war Obama heute Abend?"

Wie die US-Medien die Debatte sahen : "Wo war Obama heute Abend?"

Das erste TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney war mit Spannung erwartet worden. Für die Mehrheit der Wähler und der Kommentatoren steht der Sieger fest: Romney. Obama habe seinen schlechtesten Auftritt aller Zeiten hingelegt.

Bei der Blitzumfrage des Senders CNN gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sie Romney als Sieger des ersten von drei Duellen sähen. "Kein Präsidentschaftskandidat hat bei dieser Frage mehr als 60 Prozent erhalten, seit wir sie 1984 erstmals gestellt haben", sagte der Abteilungsleiter bei CNN, Keating Holland. Zudem erklärten sechs von zehn Befragten, dass Obama schlechter abgeschnitten habe als erwartet.

Dabei sah es für Romney im Vorfeld alles andere als gut aus. Pannen und mancher geäußerte Satz des Republikaners ließen ihn zuletzt blass neben dem Präsidenten aussehen. Doch das dürfte sich mit der vergangenen Nacht geändert haben, zumal er in den Umfragen wieder näher an den Amtsinhaber herankommt.

Schließlich sahen Millionen Amerikaner dieses Duell, die US-Medien berichteten reichlich — und sahen ebenfalls Romney als den Sieger des Duells. So titelte etwa die Internetzeitung "Huffintgon Post" in großen Lettern: "Romney gewinnt die Nacht." Er habe sich gut geschlagen und weit über den Erwartungen gelegen, heißt es dort von einem der Kommentatoren.

"Ich weiß nicht, was er dort tut"

Völlig überrascht vom eher defensiven Präsidenten Obama war auch der Kommentator des linksliberalen Senders MSNBC, Chris Matthews. Er bemerkte während der Sendung zum Duell: "Ich weiß nicht, was er dort tut." Später fügte er hinzu: "Wo war Obama heute Abend?" und empfahl ihm, den Sender zu sehen, um etwas über die Debatte zu lernen.

Der Sender CNN widmete sich gleich in mehreren Kommentaren der Debatte. So heißt es dort über Romney: "Romney hat letzte Nacht den Reset-Knopf gedrückt. Er repräsentierte sich als mitfühlender Mann der Mitte, der zutiefst besorgt ist über das Schicksal der Arbeitslosen und der Haushalte mit geringem Einkommen."

Über Obama dagegen heißt es, er habe während der Debatte müde und abgelenkt gewirkt. Seine Körpersprache habe die ganze Zeit über falsch gewirkt. "Er verteidigte eher seine Position als zum Angriff überzugehen", so der CNN-Kommentator.

Auch das "Time"-Magazin lässt kaum ein gutes Haar an dem amtierenden Präsidenten. "Ich meine, er wurde in den Hintern getreten. Es war in der Tat einer der schlechtesten Auftritte eines amtierenden Präsidenten, den ich je gesehen habe." Romney dagegen sei "klar, verständlich und fast menschlich" rübergekommen.

"Ein Sturm von Statistiken"

Etwas zurückhaltender, aber dennoch mit Romney als Sieger im Blick äußerten sich die Kommentatoren des Senders ABC. "Romney hat viel Gutes getan", heißt es dort. "Er kam, um zu spielen und das Blatt zu wenden." In dieser Nacht sei er ein wenig aggressiver gewesen als der Präsident.

Ebenfalls recht zurückhaltend — obwohl für seine Attacken auf Obama bekannt — zeigte sich in der Nacht der Sender Fox News. Der Präsident habe sein Hauptaugenmerk nach 45 Minuten verloren. "Für den Rest des Abends war er zögerlich und unkonzentriert." Weiter heißt es dort: "Ich habe gedacht, Obama würde stark beginnen und stark enden." Er habe allerdings nur zu Beginn und zum Ende brilliert, während Romney in der Mitte dominiert habe.

Weniger auf die Kandidaten als auf die Inhalte hat sich dagegen die "New York Times" in ihrer Kommentierung konzentriert. Dort heißt es unter der Zeile "Ein Sturm von Statistiken", die Debatte habe sich dargestellt wie das Seminar eines Unternehmensberaters und eines Hochschulprofessors. "Die Diskussion zwischen den beiden Kandidaten gestaltete sich oft als ein Stakkato von Statistiken, der es schwierig zu folgen machte."

Hier geht es zur Bilderstrecke: US-Wahlkampf 2012: So lief die erste TV-Debatte

(das)