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USA: Donald Trump will Ergebnisse manipulieren - Kommentar zur USA-Wahl 2020

Manipulationsversuche nach US-Wahl : Trumps Tamtam gelassen abwarten

Der noch amtierende US-Präsident will mit aller Macht zeigen, dass er die Wahl Joe Bidens nicht anerkennt. Strategisch ist das nachvollziehbar, juristisch wird Trump chancenlos bleiben.

Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er seinen Platz im Weißen Haus auch nur einen Tag früher räumen würde als irgend möglich. Dafür tut er einiges: Via Twitter verbreitet er seine diffusen Wahlbetrugsvorwürfe am liebsten und dort mag er damit bei seinen Followern durchkommen. Juristisch ist Trump allerdings chancenlos.

Vor Gericht müsste er handfeste Beweise oder Zeugen vorbringen, die seine Behauptungen untermauern. Aber die gibt es nicht. Zumindest ist das das Ergebnis unabhängiger Untersuchungen und erneuter Auszählungen. Renommierte US-Kanzleien erklären Trumps Klagen für aussichtslos und distanzieren sich, weil sie einen Imageverlust fürchten. Selbst jene Spitzenanwälte der Republikaner, die beim umstrittenen Wahlausgang im Jahr 2000 noch die Partei bei der Nachzählung in Florida vertreten hatten, halten sich diesmal raus. Und eines ist auch klar: Selbst wenn Trump mit allen Klagen durchkäme, bliebe das Ergebnis das gleiche - Joe Biden wird der 46. US-Präsident. Das weiß vermutlich auch Trump.

Dennoch ist das Trump-Tamtam wichtig – mit Blick auf seine Fans sogar unerlässlich. Es ist ein symbolischer Akt, eine logische Konsequenz: Wer sich als vermeintlich letzter Patriot der Vereinigten Staaten ins Amt katapultieren lässt, der muss diesen pseudo-heroischen Kampf bis zum Ende durchziehen. Und das wird möglicherweise auch mit der Amtseinführung Bidens am 20. Januar 2021 nicht besiegelt sein. Denn ein Comeback zur Wahl 2024 behält Trump sich vor.

In Wahrheit will er offenbar einen Nährboden schaffen, von dem er langfristig profitiert. Dafür schürt er weiter das Misstrauen und die Wut seiner Wähler, stiftet Chaos und zögert die offizielle Bestätigung der Ergebnisse durch Klagen hinaus, um seine Bühne wenigstens noch für diese Zeit zu nutzen. Deshalb wäre es klug, ihn im Nachgang seiner Präsidentschaft weitgehend zu ignorieren statt ihn politisch hart zu verfolgen. Das würde den Keil in Amerikas zwiegespaltenen Gesellschaft nur tiefer hineintreiben.