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US-Wahl: TV-Duell Trump vs Biden - Streit über Corona

Erste TV-Debatte vor der US-Wahl : „Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte“

Im ersten TV-Duell im Rennen ums Weiße Haus wirft Joe Biden dem US-Präsidenten Donald Trump Lügen und Planlosigkeit vor. Erbittert streiten der Demokrat und der Republikaner um den Umgang mit dem Coronavirus in den USA.

US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden haben sich bei ihrer Fernsehdebatte harte Wortgefechte geliefert. „Halt den Mund, Mann!“ rief Biden seinem Rivalen am Abend zu, nachdem der Präsident ihm wiederholt ins Wort gefallen war. Der frühere Vizepräsident bezichtigte Trump zudem der „Lügen“ unter anderem im Umgang mit der Corona-Pandemie: „Alle wissen, dass er ein Lügner ist.“

Der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten machte Trump für die hohe Zahl der Corona-Toten in dem Land – mehr als 205.000 – verantwortlich. Der Präsident sei angesichts der Krise in „Panik“ verfallen. Trump habe aber „keinen Plan“, wie er mit der Pandemie fertigwerden solle. Vielmehr habe der Präsident die Erstmaßnahmen seines chinesischen Kollegen Xi Jinping im Umgang mit dem Corona-Ausbruch gelobt. Biden ging Trump hart an: Der Amtsinhaber solle „raus aus dem Bunker und raus aus dem Sandfang auf Ihrem Golfplatz“ und Demokraten und Republikaner im Oval Office versammeln, um einen Deal für ein Corona-Hilfspaket zu schmieden, forderte der Kandidat.

Trump entgegnete, wäre Biden derzeit Präsident, wären noch viel mehr Menschen gestorben. Außerdem wolle Biden im Kampf gegen das Virus die US-Wirtschaft wieder stilllegen. Trump wiederum warf Biden fälschlicherweise vor, in der Frühphase der Pandemie gegen ein Einreiseverbot von und nach China gewesen zu sein. Zudem behauptete er, dass die USA nur „Wochen“ von der Produktion eines Impfstoffs gegen das Virus entfernt seien. Er hielt Biden zudem vor, dass dessen Umgang mit dem Schweinegrippe-Ausbruch in seiner Zeit als Vizepräsident unter Barack Obama ein „Desaster“ gewesen sei. Die Zahl der Toten in den USA damals betrug im Vergleich zur Opferzahl der aktuellen Pandemie allerdings nur weniger als ein Prozent.

Zugleich mokierte sich der Präsident darüber, dass Biden sehr häufig eine Schutzmaske trägt. Trump rückte Biden zudem in die Nähe von „Sozialisten“ und sagte, er sei alles andere als „schlau“.

Biden lachte immer wieder und wollte damit deutlich machen, dass er sich von dem Präsidenten nicht provozieren lassen will. Moderator Chris Wallace hatte große Mühe, sich Gehör zu verschaffen und einen geordneten Ablauf der Debatte zu erreichen. Zu Beginn hatten die Rivalen über die umstrittene Nominierung einer neuen Verfassungsrichterin durch Trump gestritten. Biden warf dem Präsidenten vor, durch die Stärkung der konservativen Mehrheit des Obersten US-Gerichtshofs die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama rückgängig machen zu wollen.

Trump entgegnete, er habe als Präsident das Recht zur Nominierung der Richterin Amy Coney Barrett nach dem Tod der linksliberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg. Außerdem hätten seine Republikaner im Senat die notwendige Mehrheit, um Barrett zu bestätigen.

Einen heftigen Schlagabtausch der beiden gab es auch zu den heftigen Anti-Rassismus-Protesten. Herausforderer Joe Biden bezeichnete Amtsinhaber Donald Trump als Rassisten. Der Kandidat der Demokratischen Partei hielt Trump vor, er habe nach dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai versucht, „rassistischen Hass zu erzeugen, rassistische Spaltung“.

Trump reagierte darauf mit der Anschuldigung, Biden habe die Black Community, die Gemeinschaft der Schwarzen in den USA, schlechter behandelt als jeder andere und sie als „Super-Raubtiere“ bezeichnet. Biden rief dazu auf, Kindern welcher Hautfarbe auch immer endlich umfassende Chancengleichheit zu ermöglichen. „Wir können den Rassismus in Amerika überwinden.“ Aber Trump schaue auf alle herab, die kein Geld oder eine andere Hautfarbe hätten.

Beim Thema Wirtschaft warfen sich beide Kandidaten gegenseitig vor, der Konjunktur mehr geschadet als genutzt zu haben. Biden bescheinigte Amtsinhaber Trump eine verheerende Regierungsbilanz. „Sie sind der schlechteste Präsident, den Amerika je hatte“, sagte er. Er selbst werde im Falle eines Wahlsiegs verstärkt auf erneuerbare Energien, eine „grüne Infrastruktur“ und E-Autos setzen. Es ließen sich Millionen gut bezahlte Jobs schaffen. Er werde dafür sorgen, dass die USA wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten.

Auch über die Tätigkeiten ihrer Familienmitglieder sind die Politiker aneinandergeraten. Als Biden der Regierung vorwarf, dass deren Handelsdeals mit China nicht die gewünschte Wirkung zeigten, unterbrach ihn Trump. Dieser wärmte frühere Anschuldigungen rund um Aktivitäten von Bidens Sohn Hunter im Ausland auf. Trump sagte etwa, Hunter Biden habe dubiose Millionenprofite von China und anderen Auslandsgeschäften eingestrichen. Die Behauptungen wurden wiederholt widerlegt.

Biden schoss zurück: „Nichts davon ist wahr.“ Mit Blick auf Trump fügte er hinzu. „Seine Familie - da könnten wir die ganze Nacht reden.“ Trump schob ein, dass seine Kinder lukrative Jobs aufgegeben hätten, um der Regierung zu dienen und „Menschen zu helfen“. Moderator Chris Wallace schritt ein: „Herr Präsident, bitte hören Sie auf.“ Daraufhin blickte Biden direkt in die Kamera und sagte ans Publikum gewandt: „Es geht nicht um meine Familie oder seine Familie. Es geht um Ihre Familie.“

Trump erneuerte außerdem seine Kritik an der Briefwahl, der wegen der Pandemie dieses Jahr eine besondere Bedeutung zukommt. Es gebe bereits jetzt beim Verschicken der Briefwahlunterlagen Betrug. Wahlunterlagen würden „verkauft, in Flüsse geworfen“, sagte er. „Das wird ein Betrug sein, wie Sie ihn noch nie gesehen haben.“ Das Ergebnis werde womöglich noch Monate nach der Wahl nicht feststehen. Wenn das System überschwemmt werde mit Millionen Briefwahlzetteln, könne das nicht bewältigt werden.

Trump verweigerte erneut eine Zusage, dass er das Ergebnis der Präsidentschaftswahl unabhängig vom Ausgang anerkennen werde. Den entsprechenden Fragen wich er aus, brachte dann aber wieder den angeblichem Betrug bei den Briefwahlen ins Gespräch. Biden dagegen sagte, er werde das Wahlergebnis anerkennen: „Ich werde es akzeptieren.“ Es sei in Ordnung, wenn er verliere, sagte der Kandidat der oppositionellen Demokraten. Sollte er gewinnen, wolle er ein Präsident für „Demokraten und Republikaner“ gleichermaßen sein.

Die erste TV-Debatte zwischen Trump und Biden fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November wurde in der Case Western Reserve University in Cleveland im Bundesstaat Ohio ausgetragen. Der in Umfragen zurückliegende Republikaner Trump und der Demokrat Biden werden vor der Wahl noch in zwei weiteren Fernsehdebatten am 15. Oktober und am 22. Oktober aufeinandertreffen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erste TV-Debatte vor der US-Wahl

(juju/dpa/afp/rts)